Zeitung Heute : Mut oder Zumutung?

Warum nicht alle Fotos, die entstehen, gezeigt werden

Ulrike Simon

Brennende Leichen, verkohlte Leichen, an Brücken aufgehängte verkohlte Leichen, verkohlte Leichen, die gesteinigt werden. Diese Bilder verbreiteten die Nachrichtenagenturen Action Press, Agence France Press und Reuters am Mittwoch. Weltweit. Darf man diese Bilder im Fernsehen zeigen? Falls ja: Müssen die Zuschauer vorgewarnt werden? Darf man diese Bilder in Zeitungen drucken? Falls ja: Darf man sie auf der Seite 1 drucken? Groß und in Farbe? Oder lieber im Innenteil, klein und schwarz-weiß?

Fotos haben die Funktion, einen Text zu illustrieren, sie schmücken eine Zeitungsseite. Fotos wecken Emotionen und die Aufmerksamkeit des Lesers. Sie machen neugierig. Fotos haben die Funktion eines Beweises. Sie belegen im Idealfall, dass es stimmt, was im darunter oder daneben stehenden Text steht.

Im Pressekodex finden sich Regeln, die die Wahrung der journalistischen Berufsethik sicherstellen. Unter Ziffer 11 ist geregelt: „Die Presse verzichtet auf eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt und Brutalität.“ Der Deutsche Presserat erläutert diese Regel in den so genannten Richtlinien. Dort heißt es unter Ziffer 11.2: „Bei der Berichterstattung über Gewalttaten, auch angedrohte, wägt die Presse das Informationsinteresse der Öffentlichkeit gegen die Interessen der Opfer und Betroffenen sorgsam ab.“ Und unter 11.3. heißt es weiter: „Die Berichterstattung über Unglücksfälle und Katastrophen findet ihre Grenze im Respekt vor dem Leid von Opfern und den Gefühlen von Angehörigen. Die vom Unglück Betroffenen dürfen grundsätzlich durch die Darstellung nicht ein zweites Mal zu Opfern werden.“

Die von den Fotografen und Kameraleuten gemachten Aufnahmen sind Dokumente der Zeitgeschichte. Die Aufgabe der Fotografen und Kameraleute im Moment des Draufhaltens mit der Kamera ist nicht, zu helfen und Verbrechen zu verhindern, sondern genau diese Dokumente der Zeitgeschichte zu erstellen. Sie schicken die Bilder an Agenturen, die verbreiten sie an die Redaktionen. So können sich die Journalisten dort selbst einen Eindruck vom Geschehen machen. Es obliegt den Redaktionen zu entscheiden, ob sie diese grausamen Fotos weiterverbreiten.

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