Zeitung Heute : Mutters Torten sei Dank

Axel Rautenberg hat mit Cafés, Catering, Feinkost und Kuchenmanufaktur in Prenzlauer Berg einen Klein-Konzern gebacken

Katja Gartz

Rund 18 Torten und Kuchen stehen in der Vitrine. Da kommt jeder auf seine Kosten: Torten mit Milchreis, Mokkasahne, Joghurt und Waldbeeren, gedeckte Kuchen mit Apfel oder Rhabarber mit Streusel, Käsekuchen und viele mehr. Berlinbesucher, die am Samstag den Kollwitzmarkt überstanden haben, lassen sich eine Ecke weiter die Frühstücksetagere im Café Anna Blume schmecken. Dann sind an Kollwitz-, Ecke Sredzkistraße bei schönem Wetter schnell 120 Plätze belegt. Direkt gegenüber im etwas kleineren Sowohlalsauch bleibt dann ebenfalls kein Platz frei. Die Stammgäste kommen lieber unter der Woche.

Längst sind die beiden Adressen aus dem Kiez nicht mehr wegzudenken. Angefangen haben die Besitzer bereits 1993, allerdings ein paar Ecken weiter in der Oderbergerstraße mit dem Entwederoder, einer Mischung aus Café und Kneipe. „Damals gab es nirgendwo guten Kuchen in der Gegend“, sagt Inhaber Axel Rautenberg. Gemeinsam mit seinem damaligen Partner Peter Gutmann wollte er das ändern. Die Rezepte stammen von Gutmanns Mutter aus Thüringen, gebacken wurde anfangs in der heimischen Küche, berichtet Rautenberg, der als gelernter Koch für eigene Kreationen mit Mohn und für Pralinen sorgte.

Ein richtiges Kaffeehaus, in dem sich auch verschiedene Generationen wohlfühlen, wollten sie eröffnen, denn Kneipen, in denen beim Frühstück noch der Rauch der Nacht in der Luft hing, gab es Anfang der 90er Jahre viele. Nur wenige Schritte vom Kollwitzplatz entfernt fanden sie geeignete Räumlichkeiten und eröffneten im April 1998 das Sowohlalsauch. „Es war vom ersten Tag an voll“, sagt Rautenberg. Konditoren mussten her und Räumlichkeiten für eine Konditorei. Zwei Jahre später eröffneten sie direkt nebenan eine Backstube mit eigenen Spezialitäten, Snacks und Kaffee zum Mitnehmen. Als gegenüber eine Ladenfläche zu vermieten war, griffen die Kaffeehausbetreiber ebenfalls zu. Der Mietvertrag war unterschrieben, aber die Banken spielten bei der Finanzierung nicht mit. „Damit hätten wir nie gerechnet, weil das Sowohlalsauch gute Bilanzen hatte“, berichtet Rautenberg. Eltern und Freunde halfen mit Privatkrediten aus. Rautenberg plante mit seinen Geschäftspartnern ein Café mit einem dazugehörigen Blumenladen. Nach langer Namenssuche hatte ein Mitarbeiter die Idee, es „Anna Blume“ nach dem Gedicht von Kurt Schwitters zu nennen. Dabei blieb es. Mit einem Schwitters-Zitat in goldenen verschnörkelten Lettern an der Wand und geschwungenen Sitznischen in Rot und Braun ist die zweite Adresse verspielter als das Sowohlalsauch mit den an einer langen Sitzbank klassisch aufgereihten Tischen.

In der Zwischenzeit haben die Betreiber das Entwederoder an einen ehemaligen Mitarbeiter abgegeben. Heute gehören zu den zwei Kaffeehäusern, der Backstube und dem Blumenladen noch ein benachbarter Feinkostladen, eine Tortenmanufaktur, in der Festtagstorten hergestellt werden, und ein Cateringservice für Gesellschaften bis zu 150 Personen. Berlin profitiere vom Tourismus und seiner Hauptstadtfunktion, da seien Gastronomie, Cateringservice und Torten für besondere Anlässe gefragt. Rautenberg und Gutmann haben mit 12 Mitarbeitern angefangen, heute beschäftigen die Inhaber des kulinarischen Imperiums 80 Mitarbeiter, davon ist die Hälfte fest angestellt. Rautenbergs Arbeitstag beginnt häufig um fünf Uhr früh, dann kann er in Ruhe alle Bestellungen abarbeiten. „Weitere Expansionspläne haben wir erst mal nicht, sonst leidet die Lebensqualität und die Familie“, sagt deshalb der 41-jährige Vater von drei Kindern.

www.tortenundkuchen.de, www.cafe-anna-blume.de

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