Zeitung Heute : Nach Blutbad PC-Spiele in Kritik

Nach dem Blutbad an einer Schule bei Denver sind in den USA auch brutale Computerspiele wieder in die Kritik geraten.Denn die beiden Amokläufer, Eric Harris (18) und Dylan Klebold (17), sollen sich über ihre Leidenschaft zu gewalttriefenden Computerspielen wie "Doom" (Verhängnis), "Quake" (Beben) und "Redneck Rampage" (Das Wüten der Rednecks) angefreundet haben.All diese Spiele haben nur ein Ziel: Der Spieler muß so viele Monster oder Menschen wie möglich töten, um sich den Weg in finsteren Korridoren freizukämpfen.Auf dem Bildschirm im Kinderzimmer tropft das Blut aus großen Wunden, dröhnen die Todesschreie der Getroffenen aus den Lautsprechern.

Wie viele Gleichaltrige gingen auch die Todesschützen von Denver offenbar völlig in ihren virtuellen Kämpfen auf."Sie spielten diese Spiele stundenlang", sagt der 17jährige Nick Baumgart, der mit Klebold in der Grundschule war.Die brutalen Programme können süchtig machen.Viele Eltern aber sind völlig ahnungslos, womit sich ihre Kinder eigentlich am PC beschäftigen.Gewalt-spiele dieser Art werden weltweit zehnmillionenfach verkauft und erscheinen immer wieder auf Bestsellerlisten.Als Anfang der achtziger Jahre die ersten gewalttätigen Videospiele in der Computerszene erschienen, bestand ihr Publikum zunächst aus PC-begeisterten Erwachsenen.Nun werden sie regelmäßig auch von Kindern gespielt.Manchmal lernen die Kleinen erst über die menschenverachtenden Spiele den Umgang mit dem PC.Die wachsende Beliebtheit der Computerspiele hat nun viele Eltern alarmiert.Unstrittig scheint, daß sie nicht alle Kinder gleichermaßen beeinflussen.Einige Experten glauben allerdings, daß ihre Botschaften tödlich sein können, wenn sie an die Falschen geraten.Auch Herstellerfirmen sollen nun zunehmend in die Verantwortung genommen werden.In den USA haben die Eltern von drei Schülern, die 1997 in einer Schießerei an einer Schule in Kentucky getötet wurden, kürzlich Klage gegen mehrere solcher Unternehmen eingereicht.Angeprangert werden unter anderem die Spiele "Doom" und "Mortal Combat" (Tödlicher Kampf).Die Eltern argumentieren, daß der damals 14jährige Täter von den Gewaltfantasien beeinflußt war, die er in der virtuellen Welt des Spiels erlebt hatte.Trotz der Aufregung um die Gewaltspiele sind Verbote nicht in Sicht.Auch viele Eltern tolerieren sie nach wie vor.Sorgen machen den Kritikern jedoch jene Eltern, die nicht genügend Computer-Kenntnisse haben, um zu wissen, was ihre Kinder am PC tun - und noch weniger, was sie gerade spielen.

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