Zeitung Heute : Nach dem Anschlag: Polizei bildet Expertenteam

Der Tagesspiegel

Zwei Tage nach dem Sprengstoffanschlag auf den Jüdischen Friedhof in Charlottenburg hat das Landeskriminalamt eine spezielle Ermittlungsgruppe gebildet. Sie besteht aus sieben Experten für rechte Kriminalität. Damit signalisiert die Polizei, in welchem Milieu sie den oder die Täter vermutet. Es werde allerdings weiterhin in alle Richtungen ermittelt, hieß es gestern. Die Ermittlungsgruppe bekam den Namen „Scholzplatz 2“ – dies erinnert an die Ermittlungen nach dem ersten Anschlag auf den Friedhof. Im Dezember 1998 wurde das Grab von Heinz Galinski bei einer Explosion verwüstet. Die Tat ist nicht aufgeklärt.

Eine heiße Spur, die zu dem Attentäter vom Wochenende führen könnte, hat die Kripo nicht. Es seien nur vereinzelt Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen. Der amtierende Polizeipräsident Friedel Neubeck hat 5000 Euro als Belohnung ausgesetzt. Die Polizei sucht weiterhin Zeugen, die am Sonnabend gegen 19 Uhr 50 beobachtet haben, wie ein dunkelfarbener Pkw in falscher Richtung durch die Einbahnstraße Angerburger Allee gefahren ist. Laut Polizei sollen dem Wagen zwei Fahrzeuge entgegengekommen sein. Die Insassen werden dringend gebeten, sich zu melden.

Der Aufruf richtet sich auch an Chauffeure und Fahrgäste, die sich zum Zeitpunkt der Tat – gegen 19 Uhr 40 – am Taxistand nahe dem Friedhof aufhielten. Die Polizei wendet sich außerdem an Jogger, Reiter, Radler und Spaziergänger, die vor dem Anschlag in der Umgebung des Friedhofs militärisch gekleidete Personen bemerkt haben.

Unklar bleibt, ob der nach dem Anschlag vom Dezember 1998 als Hauptverdächtiger gesuchte Terrorist Ekkehard Weil auch für die jüngste Tat in Frage kommen könnte. Die Polizei hatte den Rechtsextremisten im Oktober 2000 in Bochum festgenommen, nachdem er sich zwei Jahre dem Antritt einer Haftstrafe entziehen konnte. Was der Terrorist zu dem Anschlag auf das Galinski-Grab gesagt hat, erfuhr die Öffentlichkeit nicht. Weil befindet sich noch in Haft – dennoch konnte niemand sagen, ob er am Wochenende in den Genuss von Freigang gekommen sein könnte. Frank Jansen

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