Zeitung Heute : Nach dem Duell greift Steinmeier an

„Merkel völlig substanzlos“ / 14,18 Millionen Zuschauer am Sonntagabend

Antje Sirleschtov

Berlin - Nach dem TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem SPD-Herausforderer Frank-Walter Steinmeier setzen die Sozialdemokraten auf einen Schub für die letzten beiden Wahlkampfwochen.  „Das war der Durchbruch im Wahlkampf“, sagte SPD-Chef Franz Müntefering am Montag und bescheinigte Steinmeier, er habe sich „deutlich gegen Frau Merkel durchgesetzt“. Auch Steinmeier selbst zeigte sich am Tag danach zufrieden mit seinem Auftritt. Ziel sei es gewesen, inhaltlich zu überzeugen und insbesondere noch Unentschlossene zur Wahl zu bewegen, sagte der Vizekanzler. Umfragen zufolge ist Steinmeier dies am Sonntagabend auch geglückt.

Während beide Spitzenpolitiker bei dem Fernsehauftritt noch auf persönliche Angriffe verzichtet hatten, verschärfte der SPD-Kandidat am Montag den Ton. Er warf Merkel Ideenlosigkeit vor. Die „Ich-auch-Kanzlerin“ schließe sich jeder Erfolg versprechenden Idee einfach an, kritisierte Steinmeier in der SPD-Zeitung „Vorwärts“. „Das mag geschickt erscheinen, ist aber völlig substanzlos.“

Die Spitzen von CDU und CSU erklärten hingegen, Merkel habe den Wählern klargemacht, dass man der amtierenden Regierungschefin vertrauen könne. Dem SPD-Herausforderer warf Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) vor, er habe einen Kanzlerkandidaten erlebt, „der auf die Frage, wie er eine Regierung bilden will, keine Antwort gegeben“ habe. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sprach sich gegen eine Neuauflage der Koalition mit der SPD aus, da sie keine Alternative zu einem schwarz-gelben Bündnis bilde. „Die SPD wird vom ersten Tag an überlegen, wie sie die große Koalition verlassen kann, wie sie in ein Bündnis mit Grünen und Linkspartei kommt“, sagte er.

Das TV-Duell sahen weniger Menschen als erwartet. Im Vergleich zum Fernsehzweikampf 2005 schalteten mit 14,18 Millionen Zuschauern sieben Millionen Menschen weniger ein. Kritik äußerten Beobachter am Konzept und Auftritt der vier Moderatoren von ARD, ZDF, RTL und Sat 1. Vertreter der Oppositionsparteien rügten das „Duett“ von CDU und SPD, bei dem die Positionen der Oppositionskräfte nicht hätten sichtbar werden können. „Merkel und Steinmeier haben eine Art Selbstgespräch der Regierung geführt“, sagte der Medienwissenschaftler Frank Brettschneider dem Tagesspiegel. Daher sei die Auswirkung auf die Wähler nicht so groß wie 2005.

Am Abend traten bei der ARD die Spitzenkandidaten der Oppositionsparteien gegeneinander an. Viel Einigkeit gab es zwischen FDP, Grünen und Linkspartei in sozialen Fragen. In der Steuerpolitik und der Koalitionsfrage dagegen gingen die Meinungen weit auseinander. mit jul

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