Zeitung Heute : Nach dem Ende

Jassir Arafat ist tot. Wie geht es jetzt weiter?

Andrea Nüsse[Kairo]

WANN UND WO WIRD ARAFAT BEERDIGT?

Nicht nur über Arafats Gesundheitszustand wurde wochenlang spekuliert. Auch darüber, wo und wann er nach seinem Tod beerdigt werden solle. Doch die Vorbereitungen dafür liefen und wurden gleichzeitig mit seinem Tod bekannt gegeben: Arafat wird frühestens am Freitagnachmittag auf dem Gelände seines Amtssitzes in Ramallah, der Mukata, beerdigt. Angeblich ist der Bau eines Mausoleums geplant, obwohl Gräber bei den Palästinensern meist mit einfachen Steinen geschmückt sind. Ein offizieller Staatsakt ist für Freitagmorgen in Kairo geplant. Ausschlaggebend dafür sind praktische Gründe: Zur Reise nach Ramallah muss man zunächst nach Israel einreisen, über den Ben-Gurion-Flughafen oder auf dem Landweg von Jordanien aus, und die israelischen Sicherheitsuntersuchungen über sich ergehen lassen sowie Checkpoints überwinden. Israel hätte das letzte Wort, wer zu Arafats Begräbnisfeier anreisen darf und wer abgewiesen wird. Das ist für Palästinenser und Vertreter arabischer Regierungen nicht akzeptabel. Daher wird der Staatsakt in einer Moschee nahe dem Flughafen in Kairo stattfinden.

WER WIRD ZUM STAATSAKT UND ZUR BEERDIGUNG ANREISEN?

Nach dem Tod Arafats müssen sich alle Regierungen der Welt noch einmal positionieren. Welchen Rang erkennen sie Arafat zu? Akzeptieren sie ihn als den gewählten Präsidenten der Palästinenser oder sehen sie in ihm nur den Chef der Palästinensischen Befreiungsfront? Schicken sie hochrangige Vertreter und verärgern damit Israel, das über jeden europäischen Besucher empört war, der Arafat in Ramallah besucht hat? Lange war unklar, wer die USA bei der Trauerfeier vertreten würde. Nun scheint es auf den Nahostbeauftragten William Burns hinauszulaufen. Damit würden die USA den mit Abstand niedrigstrangigen Vertreter schicken. Die USA waren der israelischen These gefolgt, dass Arafat ein Hindernis für den Frieden ist und hatten in den vergangenen zwei Jahren jeden Kontakt zu ihm abgebrochen. Die europäischen Staaten scheinen sich darauf verständigt zu haben, ihre Außenminister zu entsenden, Joschka Fischer reist ebenfalls. Durch Staatsoberhäupter vertreten werden vor allem arabische oder muslimische Staaten sein, darunter Tunesien, Jordanien, Indonesien und Bangladesch. China sendet einen stellvertretenden Premierminister. Die nach dem Staatsakt in Kairo geplante Beerdigung in Ramallah wird hunderttausende Palästinenser anziehen. Allerdings ist unklar, ob Israel Palästinenser aus der Westbank nach Ramallah reisen lässt. Sicher ist, dass kein Palästinenser aus dem Gazastreifen zur Beerdigung reisen darf.

WORAN IST ARAFAT GESTORBEN?

Auch nach zweiwöchiger Behandlung und Untersuchungen im Militärkrankenhaus bei Paris ist bisher nicht bekannt, woran Arafat eigentlich gelitten hat und woran genau er gestorben ist. Die französischen Ärzte hatten Leukämie und Krebs als Ursache ausgeschlossen. Die Ungewissheit gibt den kursierenden Konspirationstheorien Auftrieb, nach denen Arafat beispielsweise langsam vergiftet wurde.

WIE IST DIE NACHFOLGE GEREGELT?

Formal wurden die Nachfolger Arafats in seinen drei Ämtern am Donnerstag bekannt gegeben: Die PLO wählte ihren Generalsekretär Mahmud Abbas zu ihrem neuen Vorsitzenden. Die Fatah soll überraschenderweise Faruk Kaddumi bestimmt haben, den Chef des PLO-Politbüros, der die Osloverträge nie akzeptiert hat und im Exil in Tunesien geblieben ist. Als Präsident der Autonomiebehörde wurde laut palästinensischem Grundgesetz der Sprecher des Parlaments, Rauhi Fattuh eingesetzt, der innerhalb von 60 Tagen Neuwahlen vorbereiten soll. Die sind nur möglich, wenn Israel sich aus den besetzten Gebieten zurückzieht.

WER VERFÜGT JETZT ÜBER DIE SCHWARZEN KASSEN?

In den vergangenen Tagen ging es zwischen den Palästinenserführern und der Frau von Arafat sicher auch um Finanzen. Suha Arafat wollte sich eine ausreichende Abfindung sichern, da ihr Ehemann kein persönliches Vermögen hinterlässt, das ihr laut Erbrecht zustände. Dafür verfügte Arafat bis zuletzt über schwarze Kassen, aus denen er politische Gruppen, aber auch medizinische Behandlungen für Arme bezahlte und sich so Loyalitäten sicherte. Sein langjähriger Finanzberater Mohammed Raschid ist die Schlüsselfigur, er allein weiß vermutlich, wo wie viel Geld liegt.

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