Zeitung Heute : Nach dem Krieg: Was wird aus Slobodan Milosevic?

Andrea Dernbach

Erinnert ihr euch noch: Bis vor zwei Jahren war im Fernsehen fast jeden Tag vom Krieg auf dem Balkan die Rede. Dort, in Jugoslawien, hatten sich Teile des Landes selbstständig gemacht und eigene Staaten gegründet, zuerst Slowenien und Kroatien, schließlich Mazedonien und Bosnien-Herzegowina. Bis dahin hatten sie alle eine gemeinsame Regierung in Belgrad gehabt. Die wollte, dass alles beim Alten blieb, und schickte die Armee. Und in den neuen Staaten kämpften Menschen gegeneinander, weil sie keine neue Regierung wollten oder vertrieben wurden. Der letzte dieser Kriege im Kosovo ging vor zwei Jahren zu Ende. Viele Menschen sind ums Leben gekommen.

Aber nicht nur die Jugoslawen, Kroaten, Bosnier und Albaner kämpften. Auch die UNO, die Vereinigung fast aller Staaten der Welt, schickte Soldaten, um die Kriege zu beenden. Und sie will alle, die Krieg angezettelt haben oder Menschen dabei gequält und getötet haben, ins Gefängnis stecken. Dafür hat die UNO ein spezielles Gericht in Holland eingerichtet.

Slobodan Milosevic ist einer, den die UNO besonders dringend nach Holland bringen will. Er hat in der Zeit der Kriege in Belgrad regiert und letzte Woche selbst zugegeben, dass er viel Geld in diese Kriege gesteckt hat. Vor zwei Wochen hat ihn die neue Regierung in Belgrad deswegen verhaftet. Aber ob sie ihn nach Holland schickt? Wenn sie es tut, wollen die anderen Länder Jugoslawien zwar mit Geld helfen. Aber die Regierung hat auch Angst, dass ihre Bürger dann sagen könnten: "Ihr seid schwach, ihr lasst euch vom Ausland zwingen." Wie man aus dieser Zwickmühle herauszukommen soll, das weiß im Moment noch kein Mensch.

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