Zeitung Heute : Nach dem Sommer ist vor dem Frühling

Alles muss rein – einiges muss raus: Wie im Oktober die nächste Gartensaison vorbereitet wird.

Simone Andrea Mayer
Im Oktober ist es nicht mehr zu leugnen. Die Blätter verfärben sich nach den ersten Frösten, gelb und rot fallen sie zur Erde. Und die letzten Blüten im Beet verschwinden. Der Herbst ist da. Es ist Zeit, den Garten aufzuräumen. Foto: PantherMedia / Andrea Krawczyk
Im Oktober ist es nicht mehr zu leugnen. Die Blätter verfärben sich nach den ersten Frösten, gelb und rot fallen sie zur Erde. Und...Foto: PantherMedia / Andrea Krawczyk

Im Oktober ist im Garten Aufräumen angesagt. Viele Stauden werden bis November heruntergeschnitten, die Beete geleert. „Nehmen Sie auch alles raus, was keinen Ehrenplatz im Beet mehr verdient hat“, rät Isabelle Van Groeningen von der Königlichen Gartenakademie in Berlin. Denn der Herbst sei die richtige Zeit, Veränderungen für das nächste Jahr anzugehen. Dazu gehört auch das Neupflanzen von Gehölzen – sowie folgende Arbeiten:

SCHÜTZEN

Nicht winterharte Kübelpflanzen müssen im Oktober ins Winterlager in Haus, Keller oder Garage kommen. Dabei sollten Hobbygärtner darauf achten, welche Pflanzen durchaus ein wenig Frost vertragen und welche schon bei etwa zehn Grad schlottern. „Der Agapanthus mag keine Kälte“, nennt Van Groeningen ein Beispiel. „Vier bis fünf Grad sind okay, aber wenn es friert, räume ich sie rein.“

UMSTELLEN

Immergrüne Gehölze im Topf sollten über den Winter am besten im Schatten stehen. Denn scheint die Sonne auf sie, versuchen sie, Wasser aus dem Boden zu ziehen. Da der aber gefroren ist, verdursten die Pflanzen.

EINPACKEN

Empfindliche Pflanzen, die keinen Platz im Winterlager finden oder solche, die im Beet stehen, können mit Vlies oder Jute verpackt werden. Mulch, Laub oder Reisig schützen offene Bodenflächen vor der Kälte. „Ich halte aber wenig vom Einpacken“, sagt Van Groeningen. Denn entweder halten sich tiefe Minusgrade wochenlang, und die Pflanzen erfrieren so oder so. Oder der Frost dauert nur ein paar Tage. Das überstehen die Gewächse in der Regel, erläutert sie. Die Gartenexpertin rät daher, die empfindlichen Pflanzen erst einzupacken, wenn tiefe Minusgrade angesagt sind. Und sie direkt wieder aus ihrer warmen Hülle zu befreien, wenn es wärmer wird.

Gerade im Sonnenschein schade eine Schutzschicht eher, denn den Pflanzen werde es darunter zu warm. Wichtig sei aber, dass der Kübel eine gute Drainage hat und auf kleinen Füßen steht. Denn sonst kann das Wasser nicht ablaufen und gefriert – und damit erfrieren die Wurzeln. Ist das Material des Topfes nicht winterhart, platzt es in der Kälte.

SÄEN UND SETZEN

Im Herbst ist vor dem Frühling. Hobbygärtner sollten sich daher nun schon um die Bepflanzung für das nächste Jahr kümmern. „Die Zwiebeln von Frühblühern wie Krokussen müssen spätestens bis Mitte November, am besten vor dem ersten Frost, in der Erde sein“, sagt Van Groeningen. Die Zwiebeln kommen doppelt so tief in den Boden, wie sie hoch sind. Auch bestimmte Stauden müssen nun gesät werden: Eisenhut, Phlox, Fackellilie, Frauenmantel, Bergenie und Taglilie sind sogenannte Kaltkeimer. Sie brauchen vor dem Austreiben einen Kälteschock. „Am besten sät man sie in einem Topf und stellt sie an eine geschützte Stelle im Freien“, erläutert sie.

ERNTEN

Die Kürbisse wachsen nun heran. Damit sie auf regennassem Boden nicht faulen, sollten Hobbygärtner eine Styroporplatte darunterlegen. „So haben sie eine bessere Chance, noch nachzureifen“, erläutert Van Groeningen.

PFLANZEN

Auch immergrüne Gehölze können nun gut neu gepflanzt werden. „Am besten, solange der Boden noch warm ist“, sagt die Gartendozentin. Die Pflanzen bilden vor dem Winterbeginn noch Wurzeln und gewöhnen sich an den Standort. Außerdem profitieren sie von der Winterruhe. Das Loch in der Erde sollte deutlich größer sein als der Wurzelballen. Hobbygärtner graben am besten die Erde am Boden des Lochs gut um und bereiten ihn mit Kompost und Hornspänen auf. So sind die Pflanzen gut mit Nährstoffen versorgt. Der Herbst ist die ideale Pflanzzeit.

Obstgehölze und Rosen, Ziersträucher und Stauden sollten bis Mitte November, am besten vor dem ersten Bodenfrost in die Erde kommen. „Sie bilden vor dem Winterbeginn noch Wurzeln und gewöhnen sich an den Standort“, sagt Isabelle Van Groeningen. Der Hobbygärtner sollte sich den Wurzelballen gut anschauen. Wachsen die Wurzeln in dichten Kreisen an der Topfwand entlang, muss er den Ballen auseinanderreißen oder mit einem Messer einschneiden. „Sonst wachsen die Wurzeln weiter in Kreisen und die Pflanze etabliert sich nicht“, erklärt Van Groeningen. Die Wurzeln fächern sich nicht in die Breite und Tiefe auf. Die Pflanze hat folglich weniger gut Zugang zum Grundwasser und gerade große Gehölze haben wenig Halt im Boden. „Das merkt man meist nicht direkt“, sagt die Gartendozentin. „Aber nach vier oder fünf Jahren kann es sein, dass sich das Gehölz zurückentwickelt.“ Zwar verliere die neue Pflanze durch die Maßnahme erst mal Wurzeln, aber das Reißen oder Schneiden sei wichtig, betonte Van Groeningen. „Man muss ziemlich brutal sein.“ Wenn das Gehölz unten viel verliert, müsse der Hobbygärtner auch oben von der Krone etwas abnehmen, um die Proportionen auszugleichen.

SCHNEIDEN ODER AUSGRABEN

Viele Pflanzen können aus dem Beet geholt werden. Stauden, die keine Silhouette machen, sollten Hobbygärtner herunterschneiden. Van Groeningen rät allerdings, dies erst nach und nach bis in den November hinein zu erledigen – also sie erst dann zu entfernen, wenn die Pflanzen optisch wirklich nichts mehr im Beet hermachen. Dahlien lässt die Gartenexpertin etwa bis zum ersten Frost stehen, danach kommen die Knollen aus der Erde.

LAUB ENTFERNEN

Hausbesitzer sollten Laub aus Fallrohren und Regenrinnen entfernen – und zwar vor dem ersten Frost. Denn nasses Laub staut sich dort zu einem Klumpen auf, der gefriert. Regenwasser und später Tauwasser können dann nicht mehr ablaufen, erläutert der Verband Privater Bauherren (VPB) in Berlin. Es sucht sich dann einen Ausweg über Ritzen und Nietlöcher, und das Rohr kann letztlich platzen. Gibt es in der Umgebung viele Bäume, sollten Hausbesitzer Gitter über die Regenrinne legen. So kann das Laub erst gar nicht hineinfallen. Besonders heikel sind Fallrohre, die im Schatten liegen, die Dachfläche aber in der Sonne. Denn dort taut tagsüber der Schnee, das Eis im Rohr bleibt aber fest, wie der VPB erklärt.

DEKOTIPP

Mit schönen Samenständen, Gräsern und Blättern lassen sich herbstliche Sträuße binden. Diese sehen toll im Haus aus, aber auch außen an der Haustür. Und Kränze aus den Materialien schmücken ebenfalls. dpa

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