Zeitung Heute : Nach den Attentaten: In Spanien werden die Betten knapp

Manuel Meyer

Die Herbst- und Winterferien stehen vor der Tür. Doch seit den Terroranschlägen in den USA scheuen viele Touristen vor Urlaub in Nordamerika und in arabischen Ländern zurück - mit dem Ergebnis, dass sich die Reiseströme verschieben. Experten wie Klaus Laepple, Präsident des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter-Verbandes (DRV) in Berlin, sehen Spanien dabei auf der Gewinnerseite. In der kommenden Wintersaison werden auf der Iberischen Halbinsel und auf den Kanarischen Inseln sogar bereits die Hotelbetten knapp.

Dabei hatte es für die spanische Tourismusbranche im Sommer noch schlecht ausgesehen: Im Juni hielt ein Busfahrerstreik auf den Balearen 300 000 Fluggäste tagelang fest. Die zunächst geplante Ökosteuer, Stromausfälle und Pilotenstreiks kamen als Belastung hinzu. Der spanische Hoteldachverband Zontur veranschlagte die wirtschaftlichen Verluste allein aus dem Busfahrerstreik auf rund 176 bis 234 Millionen Mark (90 bis 120 Millionen Euro) - "von den langfristigen Folgen des erlittenen Imageverlustes ganz zu schweigen", so Zontur-Präsident Felipe Gaspar.

Doch seit Beginn des US-Terrordramas steigen die Buchungszahlen wieder. Reiseveranstalter wie Thomas Cook und TUI kauften derzeit sämtliche Hotelbetten auf, sagt Jesus Martínez Millán, der Präsident des Dachverbandes spanischer Reiseagenturen. Wie bereits während des Golfkrieges 1991 verlagern sich die Reiseabsichten nach Spanien.

Wer ein Hotelzimmer für die Herbst- und Winterferien auf einer spanischen Insel sucht, sollte sich beeilen, raten Experten: "Vor allem Urlauber, die nach Amerika oder in nordafrikanische Länder reisen wollten, haben sich nun für die Kanarischen Inseln entschieden. Hier ist die Bettenbelegung schon jetzt von normalerweise 80 Prozent auf 95 Prozent angestiegen", so ein Sprecher der spanischen Hotelvereinigung FEH. Ähnlich sei es auf den Balearen.

Jesus Martínez Millán geht mittel- bis langfristig dennoch von einem Rückgang der Besucherzahlen in Spanien aus. "Kurzfristig wird der Spanien-Tourismus einen Aufwind erleben. Doch bereits vor einigen Monaten haben wir festgestellt, dass viele Urlauber wieder häufiger in ehemalige Krisengebiete wie die Balkanländer fahren. Wenn der ganze Terrorspuk sich etwas legt, werden wir in Spanien wieder Rückgänge verzeichnen."

Auch das Reiseverhalten der Spanier hat sich durch die Attentate in den USA verändert: "Auch wenn nun mehr Spanier aus Angst vor Fernreisen Urlaub im eigenen Land machen werden, ist das für die spanischen Airlines fatal. Ein Überseeticket verspricht halt doppelt so viele Einnahmen wie ein Flug Madrid-Mallorca", so ein Sprecher der spanischen Fluggesellschaft Iberia, die jede zehnte Flugstunde streichen wird.

Spaniens Staatssekretär für Tourismus, Juan Costa, ist dennoch froh darüber, dass Spanien weniger als andere Reiseländer von den Auswirkungen der Attentate betroffen ist: "Schließlich hängen Regionen wie die Kanaren oder die Balearen zu 90 Prozent von der Reisebranche ab." Dem Staatssekretär zufolge kamen im vergangenen Jahr 48 Millionen Touristen nach Spanien.

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