Zeitung Heute : Nach der Uni in die Firma

Der Tagesspiegel

Nicht nur Laien kennen das Problem mit den gängigen Suchmaschinen: Man gibt einen Begriff ein und entweder sie werfen unzählige Daten aus oder finden kein einziges Dokument. Nun gibt es aber auch intelligente Suchmaschinen, die selbst bei großen Datenbeständen die richtigen Informationen herausfiltern können und dabei sogar „mitdenken", natürliche Sprache richtig deuten und bei Ungenauigkeiten klärende Fragen stellen. An einer solchen Technologie mit dem Namen „orenge" wird auch in der Adlershofer Zweigstelle der „empolis Bertelsmann Mohn Media Group“ gearbeitet. Dass Bertelsmann in Adlershof eine Niederlassung hat, ist dem Engagement von Professor Hans-Dieter Burkhard und einem seiner ehemaligen Studenten zu verdanken.

Mario Lenz, heute Direktor der Produktentwicklung bei der Adlershofer empolis, hat seinerzeit am Lehrstuhl für Künstliche Intelligenz über Case-Based-Reasoning (CBR, zu Deutsch fallbasiertes Schließen) im Wissensmanagement promoviert. „Wir haben damals an Software-Lösungen für ein Unternehmen in Kaiserslautern gearbeitet", erklärt der Absolvent der Humboldt-Universität. Einer der ersten Aufträge war eine intelligente Software, die die Servicekosten in einem Bereich der Automation bei Siemens entlasten sollte. Für das Unternehmen bedeutet die neue Software Kosten- und Zeitersparnis, denn durch die präzisere Suche im Internet, Intranet oder auf CD-Rom können sich Kunden leichter selbst helfen, Anrufe der Hotline vermieden werden.

Die Projekte zusammen mit der tec:inno, so der ursprüngliche Name des Unternehmens, wuchsen und nach der Promotion entschied sich Lenz in das Unternehmen einzusteigen. Im April 1999 ging die Firma mehrheitlich in die Bertelsmanngruppe ein, bekam ihren jetzigen Namen und zog in die Räume des Gründerzentrums.

Das fallbasierte Schließen spielt in der Arbeit des Informatikers auch weiter eine wichtige Rolle. Denn es ist Grundlage für „empolis orenge“, das aus einer Wissensdatenbank und einer Sammlung von Komponenten, die in verschiedenen Datenquellen suchen, besteht. Die orenge- Technologie basiert auf generischen Wissens- und Produktmodellen. CBR-Systeme fungieren wie menschliche Berater als Vermittler zwischen Anwender und Wissensbasis. Das System sucht selbst nach Lösungsmöglichkeiten und Alternativen. Vor allem im E-Commerce kommen intelligente Suchsysteme immer häufiger zur Geltung. Das Unternehmen mit 400 Mitarbeitern, davon 22 in Adlershof, arbeitet aber auch an einer Beratungssoftware für den Versicherungsmarkt. Fragen zur „Riester-Rente" soll das System ebenso klären wie die Suche nach einem Buch im Internetshop.

Der Lehrstuhl Künstliche Intelligenz und empolis arbeiten auch weiter zusammen. „Wir sehen uns auf Workshops oder Konferenzen, außerdem arbeiten Informatik-Studenten der Humboldt-Universität in unserem Unternehmen und schreiben ihre Diplomarbeiten in Zusammenarbeit mit empolis", erklärt Lenz.

Ljiljana Nikolic

www.empolis.com

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