Zeitung Heute : Nach elf Stunden Dienst

Der Dienst begann um 7.30 Uhr und hätte am 10. November um acht Uhr geendet, aber dabei blieb es nicht. Ich führte den normalen Dienstrhythmus durch. Der Leiter verabschiedete sich gegen 18.30 Uhr. Damit ging die Befehlsgewalt auf mich über. Nach elf Stunden Dienst hatte ich schon ziemlich Hunger und ging in die Kantine. Die meisten Tische waren besetzt. Ich setzte mich alleine hin und schaute fern. Ich hatte gerade ein Kännchen Kaffee bestellt, vier oder fünf Brötchen – und hörte den Satz von Schabowski. Ich begriff es erst nicht. Ich stand auf, und mir rutschte raus: „Was ist denn das für ein geistiger Dünnschiss?“ Die anderen schauten irritiert. „Habt ihr nicht gehört, was der eben gesagt hat? Die Grenzen sind offen.“

HARALD JÄGER (66)

Ehemaliger stellvertretender Leiter des Grenzübergangs Bornholmer Straße

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