Zeitung Heute : Nach Fehlinvestitionen in den neuen Ländern sind jetzt Ausgründungen der angeschlagenen Gruppe geplant

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Seit Juni ist das Insolvenzverfahren der Hanseatica-Gruppe eröffnet. Jüngst kündigten die ehemaligen Geschäftsführer Walter Rasch, Paul Vollmer und Udo Stocker vor Pressevertretern in Hamburg nun die Ausgründung von zwei Gesellschaften aus der Gruppe an. Die Unternehmer fassen sie in der neu gegründeten HPE Property Holding zusammen. Diese stattet der US-Investor Peabody Global Real Estate Partners stattet mit frischem Kapital aus. Im Auftrag des US-amerikanischen Investors soll die HPE Immobilien entwickeln und Wohnungsgesellschaften erwerben, um den Grundstein für eine Kapitalisierung des Unternehmens an der Börse zu legen. Geplant sei ein jährlicher Umsatz von 250 Mill. DM bei einem Projektvolumen von derzeit einer Mrd. DM. Die Investitionsschwerpunkte lägen in der deutschen Hansestadt und in der Hauptstadt.

"Wir werden Immobilien in zentralen Lagen entwickeln und erwerben", sagt der geschäftsführende Gesellschafter der HPE, Walter Rasch. Der Schulsenator a. D. (FDP) konnte aus der in Abwicklung befindlichen Hanseatica-Gruppe einige Projekt übernehmen. Dazu zählt die Randbebauung der Komischen Oper Unter den Linden und das Zentrum für Zukunftsenergien in Friedrichshain. Als Berliner Projekt nannte er ferner das Verbändehaus am Metropol-Theater im Bezirk Mitte. Dieses Gebäude sei zwar bereits verkauft, die HPE entwickle das Projekt aber als Dienstleister.

Die Ursache für die Schräglage der Hanseatica-Gruppe sieht Rasch in den ausgesprochenen Mietgarantien für Immobilien in den neuen Ländern. Seit Beginn der Immobilienkrise finden viele Bauten keine Mieter mehr oder nur zu deutlich geringeren Zinssätzen. Wenn der Verkäufer wie im Fall der Hanseatica eine Garantie gab, dann muss er dem Eigentümer die Differenz zwischen versprochener und am Markt erzielbaren Miete erstatten. Das trieb die Hanseatica in die Zahlungsunfähigkeit. Die zwei, in die HPE-Holding eingegangenen Bereiche, Hanseatica-Berlin und HPE-Hamburg, trügen keine Verantwortung für die Zahlungsunfähigkeit der abzuwickelnden Dachgesellschaft. Vielmehr hätten diese der Hamburger Konzernzentrale eine gewisse Zeit sogar zusätzliche Liquidität verschafft.

Um die deutschen Manager in die Verantwortung zu nehmen, dienten die amerikanischen Partner ihnen eine Beteiligung bei der gemeinsamen Gesellschaft an: ein Drittel des GmbH-Kapitals. Durch diese Gesellschafterdarlehen sowie Rücklagen sei die Holding mit insgesamt 30 Mill. DM kapitalisiert. Dem stehe derzeit ein Projektvolumen in Höhe von einer Mrd. DM gegenüber. Das sei aber nur der Anfang: "Wir gehen offensiv ran und können eine Menge investieren", sagt Paul Vollmer, geschäftsführender Gesellschafter, zuständig für den Wohnungsbau. Die Manager strebten den Erwerb von Wohnungsbaugesellschaften mit Entwicklungspotential an. Sie wollten ferner Grundstücke in zentralen Lagen von Hamburg und Berlin akquirieren und Dritten ihr Know-How als Dienstleistung anbieten.

"Wir kaufen aber keine großen Bestände spekulativ, um sie später dann zu zerschlagen", machte Rasch deutlich. Eine solche Strategie sei aber die logische Folge von "Mondpreisen", die einige Investoren jüngst für Wohnungsbestände bezahlt hätten. Ein Beispiel dafür liefere die Gehag. Den Neubau von Wohnungen und ihre Überführung in den Bestand der Gesellschaft schließen die Gesellschafter nicht aus, obwohl "die Renditen nicht so interessant sind". Die HPE will ihre Investitionen je zur Hälfte auf die Bereiche Wohnungen und Gewerbe aufteilen. Derzeit sind vor allem in Hamburg Siedlungen im Bau: vorrangig mit Reihen- und Doppelhäuser in Bergedorf und Rahlstedt.

"Wir haben die Zusammenarbeit nicht zeitlich begrenzt und machen keine Rendite-Vorgaben", behauptet Peter Relly, Vize-Präsident von Peabody. Setzten sich Rellys Partner, die deutschen Immobilien-Profis, ihr Ziel einer Umsatzrendite von zehn Prozent also selbst? Sicher ist, dass Relly in deutschen Metropolen ein großes Potential erkennt: Das von Wirtschaftsinstituten prognostizierte Wachstum der Wirtschaft werde die Nachfrage der Unternehmen nach Büroflächen ankurbeln. Zwar sei der Standort Berlin "risky", doch in der Hauptstadt hätten die Mieten ihre Talsohle durchschritten. Das negative Wachstum der Berliner Wirtschaft im ersten Halbjahr (Minus 0,8 Prozent) schrecke ihn nicht, so der amerikanische Kapitalanleger. Er vertraue den jüngsten Erfolgsmeldungen der Makler-Häuser, wonach Büros in besten Lagen der City Ost, am Gendarmenmarkt etwa, nur noch ausgewählt zu mieten seien.

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