Zeitung Heute : Nach mir die Sintflut?

Von wegen. Vor den Ferien muss man noch einmal tüchtig ran – die Auszeit will gut vorbereitet sein

Miriam Schröder

In Gedanken ist Elke H. bereits am Strand. Einmal noch muss die Werbekauffrau ins Büro, morgen früh schon geht der Flieger auf die Trauminsel. Am Schreibtisch angekommen aber folgt das böse Erwachen. Denn dort herrscht nicht nur das übliche Chaos – dazu hat ihr Chef eben noch ein paar Akten mit dem Hinweis „Dringend!“ abgeladen. Im Postfach warten 20 neue E-Mails auf Antwort und der Kollege F., an den sie ihre Arbeit übergeben wollte, hat sich für heute krank gemeldet. „Ich kann gar nicht weg“, denkt Elke H., „da geht hier doch alles drunter und drüber.“

„Irgendetwas geht immer schief, wenn Sie im Urlaub sind“, sagt Jürgen Hesse vom Berliner Büro für Berufsstrategie. Damit es insgesamt aber möglichst reibungslos läuft, sollte man die Auszeit gut vorbereiten. Und zwar nicht erst am Tag der Abreise, „sondern schon zwei Wochen vorher,“ sagt Hesse.

Wer zu früh beginnt, ist aber noch lange nicht auf der sicheren Seite: Der Chef von Elke H. zum Beispiel hat ihren Urlaubsantrag vergessen, eine Minute, nachdem er ihn unterschrieben hatte. Am besten 14 Tage vor Abflug noch einmal im Büro an die geplanten Ferien erinnern. Vor allem müssen jetzt die Leute angesprochen werden, die während der Urlaubszeit die Vertretung übernehmen. „Vereinbaren Sie einen Übergabetermin für die Woche vor der Abreise“, rät Hesse, „dann bleibt genügend Zeit für Rückfragen.“

Im Idealfall versuchen Sie ab jetzt, alles Angefangene abzuarbeiten, „eine Pause zu erwirken“, nennt es Hesse. Die wichtigsten Kunden und regelmäßigen Gesprächspartner verdienen eine persönliche Mitteilung darüber, dass ein Urlaub ansteht – auch dann, wenn für die Zeit kein Termin vereinbart ist. Ein guter Kunde fühlt sich natürlich vor den Kopf gestoßen, wenn er hört: „Frau H.? Nicht da. Rufen Sie in vier Wochen wieder an.“ Viel besser ist es, wenn ein Kollege ihn mit den Worten begrüßt: „Auch ich kann Ihnen jederzeit weiterhelfen.“

Spätestens eine Woche vor Abflug sollten Sie sich darum mit Ihrer Vertretung zusammensetzen und genau erklären, was während Ihres Urlaubs auf jeden Fall zu tun ist - und was noch passieren könnte. „Lassen Sie Ihre Phantasie spielen“, sagt Jürgen Hesse, „und versuchen Sie, Ihre Arbeit einmal von außen zu betrachten.“ Wer könnte etwas wollen? Was ist dann zu tun? Und wo finde ich die Unterlagen? „Das Schlimmste, was passieren kann, ist, wenn es brennt, und nur Sie wissen, wo der Feuerlöscher steht“, warnt Hesse.

Genauso fatal: Den Brand kann außer Ihnen niemand riechen. Denken Sie nach. Durchforsten Sie Ihre Kalender, Briefe und Notizen. Steht irgendwo ein wichtiger Termin ins Haus? Der Geburtstag eines Geschäftspartners? Der monatliche Zwischenbericht? Genauso wichtig ist es zu klären, was bis zu Ihrer Rückkehr warten kann. Bevor Sie fliegen, schreiben Sie alles noch einmal auf eine übersichtliche Liste. Inklusive Namen und Telefonnummern Ihrer Kunden und Gesprächspartner.

Nachlässigkeiten können die Firma viel Geld kosten – zum Beispiel wenn ein vergessener Kunde verärgert den Vertrag kündigt. Für solche Fehler muss der Arbeitnehmer zwar in den seltesten Fällen selbst haften. „Wer selbstverständliche Pflichten wie eine ordentliche Übergabe vernachlässigt, riskiert aber eine Abmahnung“, sagt Anja Mengel, Fachanwältin für Arbeitsrecht. Sind die Kollegen schlecht informiert und darum mit der Zusatzarbeit überfordert, besteht die Gefahr, dass Mitarbeiter schlecht über Sie reden. „So etwas ruiniert Ihr Image“, warnt Jürgen Hesse.

Wer in einer Führungsposition oder allein verantwortlich arbeitet, dem rät Mengel darum das Handy mitzunehmen und regelmäßig die Mailbox abzuhören. Rechtlich gesehen kann der Chef seine Mitarbeiter zwar nicht dazu verpflichten. Im Notfall aber profitieren beide Seiten. Bei aller Perfektion sollten Sie jedoch nicht vergessen: Irgendetwas geht sowieso schief. „Und das ist eigentlich auch gut so“, sagt Karriereberater Hesse. Denn wenn man Sie kein bisschen vermisst, dann ist Ihr Job wohl auch nicht so wichtig.

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