Zeitung Heute : Nach Rezept

Was jetzt auf die Patienten zukommt

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Patienten müssen nach den Reformplänen der Bundesregierung in Zukunft mehr aus eigener Tasche bezahlen, können aber auch auf sinkende Krankenkassenbeiträge hoffen.

Krankengeld: Trotz erheblichen Widerstands auch aus den eigenen Reihen will die rotgrüne Koalition das Krankengeld aus der paritätischen Finanzierung durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer herausnehmen. Die Versicherten sollen allein dafür aufkommen. Das Krankengeld soll aber im System der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben. Das heisst: Wer ein höheres Einkommen hat, zahlt mehr als der mit niedrigen Einkommen.

Hausarzt: Wer sich freiwillig verpflichtet, muss immer zuerst einen Hausarzt aufzusuchen und wird mit geringeren Zuzahlungen bei den Medikamenten belohnt. Zu den Hausärzten zählt Rot-Grün auch Kinder- und Jugendärzte, Frauen- sowie Augenärzte. Wer dagegen direkt zum Kardiologen oder zum Hals-, Nasen-, Ohrenarzt geht, muss eine Praxisgebühr in Höhe von 15 Euro zahlen.

Zuzahlungen: Die Höhe der Zuzahlungen ist umstritten. Nach Vorstellungen der Gesundheitsministerin sollen je nach Packungsgröße zwischen drei und neun Euro fällig werden. Bisher sind es zwischen vier und fünf Euro. Ausnahme: Nur einen Euro soll zahlen, wer am Hausarztmodell teilnimmt, an den Behandlungsprogrammen für chronisch Kranke oder wer Sozialhilfeempfänger ist. Hier legen die Grünen Einspruch ein: Sie fürchten, dass den Krankenkassen bei den vielen Ausnahmen die Einnahmen wegbrechen.

Medikamente: Wer nach einem Herzinfarkt vom Arzt Aspirin verschrieben bekam, muss dies in Zukunft – wie andere nicht verschreibungspflichtige Arzneien – selbst bezahlen. Auf Drängen der Grünen sollen bestimmte homöopathische und anthroposophische Medikamente weiter die Krankenkassen erstatten. Ausnahme: Kinder. Patienten sollen ihre Pillen nicht mehr nur in der Apotheke kaufen können, sondern auch über das Internet. Bisher ist das nicht erlaubt.

Tabaksteuer: Raucher müssen für ihre Zigarettenschachtel in Zukunft einen Euro mehr bezahlen. Offizielle Begründung: Dann hören mehr Menschen mit diesem ungesunden Laster auf – ein Beitrag zur Prävention. Nebeneffekt: Mit den Steuereinnahmen können familienpolitische Leistungen bezahlt werden, die derzeit die Beitragszahler finanzieren: etwa das Mutterschaftsgeld oder medizinische Leistungen während der Schwangerschaft.

Sterilisation und künstliche Befruchtung: Für diese Leistungen müssen Patientinnen und Patienten in Zukunft komplett alleine aufkommen. Die Krankenkassen sparen dadurch knapp 300 Millionen Euro.

Sterbegeld: Komplett streichen oder nicht? SPD und Grüne sind sich immer noch nicht einig. Bisher werden für Versicherte 525 Euro pro Person gezahlt, 262,50 Euro für einen Familienversicherten. Anspruch auf Sterbegeld hat allerdings nur noch, wer bereits vor dem 1. Januar 1989 Mitglied der Sozialversicherung war. Das Gesundheitsministerium hat verfassungrechtliche Bedenken, das Sterbegeld abzuschaffen, die Grünen dringen jedoch darauf.

Rentner: Alle Versorgungsbezüge – auch Betriebsrenten – sollen zur Berechnung der Krankenkassenbeiträge herangezogen werden. Begründung: Rentner zahlen in der Solidargemeinschaft nur 40 Prozent dessen, was sie an Leistungen erhalten. Für die Grünen ist das ein Schritt in Richtung einer Bürgerversicherung, bei der alle Einkommensarten herangezogen werden, auch bei Nichtrentnern.

Elektronische Patientenkarte: Behandlungen, Überweisungen, Rezepte und Notfalldaten sollen auf der neuen Chipkarte gespeichert werden. Das Ziel: doppelte Untersuchungen sollen vermieden werden, der behandelnde Arzt über etwaige Allergien oder vorherige Therapien informiert sein.ce

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