Zeitung Heute : Nach US-Vorbild bietet eine neue Agentur nun auch in Deutschland die Möglichkeit zur Partnersuche per E-Mail

Peter Zschunke

Elmar Bob ist Single. Der 32-Jährige hält das für einen Zustand, der sich irgendwann einmal ändern soll. Und weil er überzeugt ist, dass es Zehntausenden genauso geht, hat Bob im Internet ein Forum eingerichtet, in dem Alleinstehende ohne die sonst unvermeidlichen Ängste zueinander finden können. Bis Ende Januar, so hofft der Geschäftsführer des Internet-Unternehmens MatchNet Europe, werden sich 50 000 Kontaktinteressierte bei www.deutsche-singles.de registriert haben.

Zwei Monate nach dem Start des neuen Internet-Angebots haben sich nach Angaben Bobs bereits 3000 Mitglieder registrieren lassen. Sie melden sich mit Namen und Adresse an und geben dann sehr viel Persönliches preis: Geburtsdatum, Größe, Gewicht, Haarfarbe, Körperbau, Kinderzahl, Religion, Bildungsabschluss und Jahreseinkommen, ja sogar die "Rauch- und Trinkgewohnheiten". Die intimeren Angaben können aber zunächst auch ausgelassen werden, hierfür ist die Option "Fragen Sie mich bitte später" vorgesehen. Wenn der Single auch noch einen frei gewählten "Künstlernamen" angegeben hat, ist die Registrierung abgeschlossen, und er erhält ein Passwort für die Nutzung des Vermittlungsdienstes.

Auf der Suche nach neuer Bekanntschaft werden in den genannten Kategorien die Wunschdaten eingegrenzt. Der Computer listet dann zum Beispiel alle Frauen auf, die älter als 35, blond und katholisch sind - zunächst nur mit den Phantasienamen und ohne E-Mail-Adresse. Erst wenn der kontaktfreudige Single seine Wahl getroffen hat, kann er zum ersten Beschnuppern eine E-Mail losschicken, die vom Vermittlungsservice an die richtige Adresse weitergeleitet wird. Jetzt hilft nur noch Warten und Zittern: Vielleicht schaut sie sich gerade das eigene Persönlichkeitsprofil an. Findet er Gefallen, wird sie sich melden? Oder aber dem Vermittler schreiben: "Mit dem will ich nichts zu tun haben"? Dann werden weitere E-Mails nicht mehr weitergeleitet.

Was aus den ersten Kontakten wird, interessiert deutsche-singles.de nicht mehr. "Die müssen wissen, was sie dann machen", sagt Bob. Schließlich seien das erwachsene Leute. Ziel sei auch nicht in erster Linie eine konkrete Partnerschaftsvermittlung, sondern die wie auch immer angelegte Anbahnung von Kontakten. In einer Zeit, die immer mehr Mobilität fordere und den dynamischen Berufsmenschen heute nach Dresden und morgen nach Hamburg schicke, werde es für Singles zunehmend schwierig, den oder die Richtige zu finden.

Das deutsche Web-Angebot ist der erste Ableger von american-singles, wo nach Angaben Bobs seit der Gründung 1995 bereits 10 000 langfristige Beziehungen vermittelt wurden und mehr als 500 000 Mitglieder registriert sind. Die amerikanische Herkunft zeigt sich auch in den Geschäftsbedingungen, die strikt auf moralische Sauberkeit achten: "Der Kunde wird in seinem Portrait keine anstößigen anatomischen oder sexuellen Anspielungen machen oder anstößige zweideutige oder sonst mit sexueller Nebenbedeutung belegte Sprache verwenden, und der Kunde wird keine Nackt- odersonstige Fotos, die persönliche Informationen enthalten, veröffentlichen."

In den USA müssen die Mitglieder seit Oktober zahlen: 20 Dollar monatlich (38 Mark) bei aktiver Suche nach Kontakten. Die passive Selbstdarstellung ist kostenfrei. "Wir werden in Deutschland ein ähnliches Preismodell einführen", sagt Bob. Für die ersten 50 000 Singles soll aber zunächst alles kostenlos sein.

Das im April dieses Jahres von MatchNet übernommene Projekt will in Europa weitere Ableger gründen. "Der Single-Trend wird in den Industrieländern immer stärker", sagte Bob. Das Internet ermögliche es den Alleinstehenden, sich auf der Suche nach Kontakten "einen Markt zu erschließen, der nicht auf den eigenen Landkreis beschränkt ist". Bob selbst ist vom Erfolg seines Unternehmens überzeugt: "Anfang nächsten Jahres werden wir entweder in Deutschland oder in den USA an die Börse gehen." Auch sein privates Glück soll nicht zu kurz kommen: "Ich bin unter dem Namen Akebono registriert. Das ist japanisch und bedeutet Sonnenaufgang."

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