Zeitung Heute : Nachdem die Bonner ausblieben, werden die Häuser jetzt auf dem freien Markt verkauft

Rainer W. During

Auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes am Kladower Ritterfelddamm wurde gestern das Richtfest für die ersten Wohnhäuser der Landstadt Gatow gefeiert. Im Rahmen des größten Bauprojektes des Bundes in Berlin sollen hier, wie berichtet, 1240 Eigenheime entstehen. Ob diese Zahl tatsächlich erreicht wird, gilt allerdings als fraglich. Da sich die Nachfrage der Bonner in Grenzen hält, werden die Immobilien inzwischen auf dem freien Markt angeboten. Die Viterra AG, die hier mit einem Investitionsvolumen von rund 73 Millionen Mark insgesamt 191 Reihen- und Doppelhäuser errichtet, machte den Anfang. Nur zwei Monate nach dem ersten Spatenstich konnte gestern der Richtkranz über den ersten 39 Wohneinheiten aufgezogen werden. Noch vor Ostern sollen hier die ersten Familien einziehen. Erst zwölf Eigenheime wurden verkauft. Die Kunden kommen aus Lankwitz, aus Tempelhof und aus Spandau selbst. "Ein Bonner ist nicht darunter" sagte Viterra-Vorstand Douglas Puchner.

"Die Bonner müssen sich erst finden in Berlin, die sind noch auf der Suche", so Puchners Erfahrung. Außerdem habe sich gezeigt, dass die Interessenten zögern, solange kein Musterhaus besichtigt werden kann. "Wir wollten erst etwas zeigen können, bevor wir richtig mit der Vermarktung anfangen". Den ehemaligen Flugplatz am südwestlichen Stadtrand hält er nach wie vor für "einen der attraktivsten Baustandorte in Berlin", verweist auf die Freizeitmöglichkeiten und die entweder bereits vorhandenen oder parallel entstehenden Infrastrukturen.

Dazu gehören Grundschule, Gymnasium, Kindertagesstätte und Sportanlagen, die in Sichtweite bereits in den Himmel wachsen. Deren Fertigstellung vor dem Einzug der ersten größeren Gruppen von Neu-Spandauern bezeichnete Bürgermeister Konrad Birkholz als entscheidenden Vorteil. Bei Preisen ab 395 000 Mark einschließlich Grundstück und Erschließung seien die Niedrigenergiehäuser mit ihren deutlich reduzierten Heizkosten gegenüber den Angeboten im Umland durchaus konkurrenzfähig, betonte Baustadtrat Carsten Röding. Damit trage die neue Siedlung dazu bei, die Abwanderung ins Umland, von der Spandau besonders betroffen sei, zu stoppen. Wie berichtet, wurden die einzelnen Baufelder der Landstadt im Rahmen von Auswahlverfahren an verschiedene Investoren vergeben. 116 Einzelgrundstücke werden darüber hinaus über die Bundesvermögensverwaltung an private Interessenten vermarktet, die hier ihre eigenen Baupläne verwirklichen wollen. Röding kündigte für das kommende Jahr einen Wettbewerb für den ebenfalls zum Projekt gehörenden Landschaftspark an, der im Rahmen weiterer Bauabschnitte etwa im Zeitraum zwischen 2003 und 2005 realisiert werden soll. Damit geht der Ausbau der Siedlung wesentlich langsamer voran, als usprünglich geplant war. Und an die 1240 Häuser will heute so recht niemand mehr glauben. "Ich denke, ganz so viele werden es wohl nicht werden", sagte gestern Bürgermeister Birkholz.

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