Zeitung Heute : Nachfrage nach Angeboten

Cordula Eubel

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit sieht für ältere Arbeitslose in Ostdeutschland nur wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Was muss passieren, um diesen Menschen noch eine Perspektive bieten zu können?

181000 Arbeitslose im Osten sind 55 Jahre und älter. Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA) macht ihnen wenig Hoffnung auf eine Rückkehr in den ersten Arbeitsmarkt. Bei der derzeitigen Wirtschaftslage könnten die Arbeitsagenturen kaum Stellen bieten, weder im Osten noch in strukturschwachen Regionen im Westen. „Niemandem ist geholfen, wenn wir hier so tun, als ob Vermittlung und Beratung schnell helfen würden“, sagt er. Diesen Menschen sinnvolle Angebote zu machen, sei eine gesellschaftliche Aufgabe, die von der Arbeitsverwaltung nicht alleine gelöst werden könne.

Untersuchungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) kommen zu dem ernüchternden Ergebnis, dass sich bei älteren Menschen die Arbeitslosigkeit häufig verfestigt – unabhängig von der Qualifikation. Ob mit oder ohne Ausbildung, finden diese Personen nur schwer wieder einen festen Job. In Deutschland sind nur 38 Prozent der Menschen zwischen 55 und 64 Jahren überhaupt beschäftigt. Viele sind arbeitslos oder vorzeitig in den Ruhestand gegangen.

Der SPD-Arbeitsmarktpolitiker Klaus Brandner warnt jedoch davor, ältere Arbeitslose komplett abzuschreiben. „Man darf nicht kapitulieren“, mahnt Brandner. Auch die stellvertretende DGB-Chefin Ursula Engelen-Kefer sagt, es wäre eine „verheerende Botschaft“, wenn älteren Arbeitslosen erklärt würde, dass sie nicht mehr gebraucht würden. Konkret regt Brandner an, im Osten verstärkt auf Maßnahmen der „beschäftigungsschaffenden Infrastruktur“ (BSI) zu setzen. Die Arbeitsagentur zahlt Kommunen Zuschüsse, wenn sie Aufträge zur Verbesserung der Infrastruktur an Wirtschaftsunternehmen vergeben. Bedingung ist, dass die Auftragnehmer eine bestimmte Zahl von Arbeitslosen einstellen, die ansonsten Lohnersatzleistungen erhalten.

Für einen älteren Arbeitslosen können die Arbeitsagenturen außerdem bis zu zwei Jahre lang ein Einstiegsgeld an den Betrieb zahlen. Für die Unternehmen macht das die Arbeit billiger. Von den Lohnkostenzuschüssen erwartet BA-Vorstandschef Weise allerdings in Ostdeutschland keine Wunder. Eingestellt würde erst, wenn die Unternehmen wieder Aufträge hätten.

Problematisch ist, dass vor allem kleine Mittelständler die Förderprogramme der Bundesagentur gar nicht kennen. „Die Agenturen müssen ihre Programme offensiv bewerben“, fordert daher der SPD-Arbeitsmarktexperte Brandner. BA-Chef Weise räumte ein, dass derzeit die geplante bessere Betreuung der Arbeitgeber noch an der Überlastung der Agenturen scheitere. Die Mitarbeiter der BA waren in den vergangenen Monaten mit der Einführung von Hartz IV voll beschäftigt.

Wenn die Stellen auf dem ersten Arbeitsmarkt fehlen, bleibt letztlich nur die Beschäftigung auf dem zweiten Arbeitsmarkt. So denkt die BA darüber nach, älteren Arbeitslosen gemeinsam mit den Kommunen gemeinnützige Beschäftigungen anzubieten. Konkret geht es dabei um eine Art Ein-Euro-Jobs bis zur Rente. Diese Tätigkeiten würden dann im Regelfall wohl nicht mehr zum Wiedereinstieg in einen regulären Job führen. Die Betroffenen könnten aber zumindest etwas zu ihrem Arbeitslosengeld II dazuverdienen. „Die Beschäftigung muss aber sinnvoll sein“, fordert der SPD-Politiker Brandner. Als Beispiele nennt er die Betreuung von Senioren, die Sportförderung und den kulturellen Bereich.

In der Vergangenheit wurden ältere Arbeitslose in Beschäftigungsmaßnahmen wie ABM gesteckt. Dies habe eher sozial- als arbeitsmarktpolitische Gründe gehabt, heißt es in der Bundesagentur. Das bedeutet übersetzt: Die Chancen auf einen regulären Job sind dadurch für die Betroffenen im Normalfall auch nicht gestiegen. Aber sie hatten zumindest eine Beschäftigung.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben