Zeitung Heute : Nachgeschmeckt: Annalisa bleibt weiter vorn

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Unsere monatlichen Probierrunden verpflichten uns zur weiteren Beobachtungen des Marktes - einmal, um neue Produkte aufzuspüren, zum anderen, weil in der Vergangenheit längst nicht alle in Frage kommenden Probanden einbezogen werden konnten. Letzteres ist der Fall bei der Dosentomate von Cirio. Ihre volle und runde Frucht, die frei ist von metallischem Dosengeschmack, hätte es bei unserem Test im Januar des vergangenen Jahres gewiss auf einen der vorderen Plätze gebracht. Wenn es einmal schnell gehen soll, liefert der gleiche Anbieter eine nicht minder empfehlenswerte Passata in der Flasche (im "Centro Italia"). Doch auch diese passierten Tomaten müssen sich im direkten Vergleich dem entsprechenden Produkt der seinerzeitigen Siegermarke Annalisa beugen, die bei "Bruno" in Prenzlauer Berg angeboten wird. Annalisa besitzt einfach die kräftigere Frucht und besticht gleichzeitig mit cremiger Milde.

Beim grünen Tee wächst das Angebot mit seiner Beliebtheit. Im Asia-Markt "Dao" in der Charlottenburger Kantstraße, der allein schon wegen seines breiten Angebots an frischen Früchten und Gemüsen aus Fernost, das hier endlich auch einmal in deutscher Sprache beschriftet ist, den Besuch lohnt, gibt es jetzt zwei feine Sorten aus Japan in schmucken 50-g-Säckchen. Der Gabalong riecht ein wenig nach Hopfen und ergibt einen goldgelben Aufguss, der zunächst fast salzig schmeckt und dann ein rundes, ganz leicht säuerliches, belebendes Aroma entfaltet. Der Kukicha stellt dann noch eine Steigerung dar, weil er noch gefälliger und dennoch geradezu herb-fruchtig wirkt; die Assoziation von Honig ohne Süße drängte sich uns auf. Wenn es noch edler sein soll, dann führt kein Weg am neu gegründeten Berliner Teesalon in der Invalidenstraße vorbei, einem Ableger des Teeimporteurs Lünser & Hennlein. Dort kauften wir für teures Geld (100 g zu 30 Mark) die silbrigen Tannennadeln gleichenden chinesischen Teespitzen Ching Suey Loong Cha Clearwater Dragon Superior Grade aus dem Hochland der Provinz Anhui und wurden schon nach einer Minute Aufgusszeit (bei einer Wassertemperatur von 80 Grad) mit einem herrlich milden, ganz leicht rauchigen Sud belohnt, der fast frei ist von bitteren Noten und sogar Skeptikern den grünen Tee nahebringt.

Für echte Süße mit Stil ist seit Jahr und Tag Eberhard Päller zuständig. In seiner "Confiserie Mélanie" hat er sein ohnehin schon umfängliches Schokoladenprogramm weiter aufgerüstet. Für die Freunde des südländischen Schokoladentyps hält Päller die Mandelschokolade von Valor aus dem spanischen Alicante bereit. Die schwarze Couvertüre ist zwar krachend süß, die vielen kleinen, mürbe gerösteten Mandeln darin sind aber mindestens ebenso knackig. Wer indessen eine zuckerreduzierte Milchschokolade probieren möchte, ist mit der zartschmelzenden, lediglich mit Maltitol versetzten Balance Sugarfree bestens bedient. Ebenso bewundernswürdig in punkto Konsistenz und elegantem Geschmack ist Pällers weiße Schokolade vom englischen Hoflieferanten Ackermans. Doch unsere Runde gab den Preis der kleinen Nachverkostung schließlich der belgischen Chocolat au lait à la nougatine von Dolfin, die in die gleichen Hüllen verpackt wurde, die man vom Drehtabak her kennt. Bemerkenswert an dieser überraschend milchigen Schokolade sind die vielen Karamelsplitter darin, die schon beim ersten Biss einen kräftigen Röstgeschmack freigeben, der ganz gekonnt kurz vor der Bitternis angehalten wurde.

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