Zeitung Heute : Nachhaltig gärtnern

Aus Kakaoschalen wird Dünger für Balkonpflanzen.

Irina Quander
Im Grünen. Die Gründerinnen entwickelten die Idee während der Promotion.Foto: Promo
Im Grünen. Die Gründerinnen entwickelten die Idee während der Promotion.Foto: Promo

In der Lebensmittelindustrie fallen immer wieder Abfälle an. Auch viele pflanzliche Stoffe gehören dazu, etwa Kakao. Diese veganen Abfälle müssen nicht verfallen – vielmehr können sie auch als Biodünger weiterverwertet werden. Das ist die Idee des Start-ups GreenLab Berlin, das von den HU-Absolventen Sabine Schäfer, Ines Eichholz und Daniel Kania ins Leben gerufen wurde.

Die Agrarwissenschaftlerinnen und der Wirtschaftsingenieur stellen flüssigen und festen Biodünger aus Lebensmittelabfällen her. Grundstoff sind Kakaoschalen aus kontrolliert biologischem Anbau. „Wir werten diese Abfallstoffe aus der hiesigen Schokoladenproduktion durch ein so genanntes Upcycling auf und extrahieren sie in einem selbst entwickelten Verfahren zu Biodünger“, erklärt Schäfer. So wird der Abfall sinnvoll verwertet, ohne dass neue Abfälle entstehen.

Zwei Produkte stellt das junge Unternehmen inzwischen her: Blümchenfutter, einen Flüssigdünger für den Balkon, sowie Pimp my Gärtchen, ein Feststoffdünger für den Garten. So „nachhaltig wie möglich“ werden die Dünger hergestellt, sagt Schäfer. Daher werden die Feststoffreste, die bei der Produktion des Flüssigdüngers übrig bleiben, komplett als Festdünger für den Garten aufbereitet. Ob Dach- oder Schrebergarten: Die Biodünger für den Stadtgärtner sind für all diejenigen gedacht, die ohne künstliche Zusatzstoffe gärtnern wollen und Wert auf eine eigene Ernte in Bioqualität legen.

GreenLab Berlin ist ein Start-up aus dem Bereich der Agrarwissenschaft. Die beiden Agraringenieurinnen entwickelten die Idee, während sie für ihre Doktorarbeiten forschten. Betreuer und Unterstützer der Unternehmensgründung ist Phillip Tettenborn, Spin-Off Berater und Manager der HU-Gründungsberatung am Campus Mitte. Seit einem Jahr arbeiten die Gründer an ihrer Idee. „Die Technologie selbst war schon recht ausgereift, als sich Sabine Schäfer und Ines Eichholz an mich gewandt haben“, sagt der Berater Philipp Tettenborn. „Deshalb lag der Schwerpunkt unserer Arbeit auch zu einem großen Teil im wirtschaftlichen Bereich.“ Mit der Unterstützung des Gründungsservice der Humboldt-Innovation wurden schließlich ein Geschäftsmodell, der genaue Anwendungsbereich und die Finanzierung erarbeitet und festgelegt.

Anbauflächen, ein Labor und Büroräume stellt die Humboldt-Universität den Gründern am Standort der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät in Dahlem bis Dezember 2014 zu Verfügung. Hier führt das Unternehmen Experimente für das Zusammenspiel der einzelnen Düngerkomponenten durch. Das Produkt wird so weiterentwickelt und optimiert. „Das ist eine tolle Möglichkeit für uns, da die Anschaffung einer kompletten Laborausrüstung im Moment nicht möglich wäre“, sagt Ines Eichholz.

Daniel Kania organisiert derzeit den zukünftigen Vertrieb: „Das Produkt soll in kleinen Ketten und Fachgeschäften erhältlich sein. Zusätzlich kann der Dünger auch online bestellt werden.“ Dort soll Blümchenfutter auch mit personalisierter Verpackung angeboten werden. Wenn Kunden das Produkt verschenken wollen, wird auf dem Etikett des Düngers der gewünschte Name aufgedruckt.

Bis das Produkt auf den Markt kommt, läuft eine Crowdfunding-Kampagne, die den Markteintritt unterstützen soll. Die Gründer hoffen, dass schon im nächsten Frühling viele Pflanzen auf Balkonen und in Kleingärten dank Blümchenfutter und Pimp my Gärtchen prächtig wachsen werden. Irina Quander

Mehr im Internet:

www.greenlabberlin.de

Crowdfunding-Kampagne:

www.startnext.de/bluemchenfutter

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