Zeitung Heute : Nachhaltige Diplomatie

Gary Smith

Natürlich wird Bundeskanzler Schröder die deutsch-amerikanischen Beziehungen loben, wenn er am 9. September anlässlich des 10. Jahrestags des Abzugs der Alliierten Truppen in der American Academy spricht. Aber er hat auch allen Anlass dazu – obwohl Amerikas Reputation in der Welt an einem Tiefpunkt angelangt zu sein scheint, der selbst traditionell robuste Beziehungen auf eine Belastungsprobe stellt. Denn es gibt mehr gute Nachrichten über das Verhältnis zwischen den beiden Ländern, als man glauben mag, wenn man die Berichte der Medien verfolgt. Zumal in Berlin, das ein Magnet für amerikanische Wissenschaftler, Schriftsteller und Künstler geworden ist. Die American Academy ist ein guter Maßstab dafür: immer mehr Akademiker und Politik-Experten, talentierte Autoren und Künstler interessieren sich dafür, in Berlin zu arbeiten.

Die jüngsten Schwankungen in den offiziösen transatlantischen Beziehungen unterstreichen nur die enorme Bedeutung, die die deutsch-amerikanischen Begegnungen unterhalb dieser Ebene haben. Dafür stehen die großen Vermittler – wie zum Beispiel der eben verstorbene bedeutende amerikanische Publizist Melvin Lasky, dessen Rolle im Berlin der Nachkriegszeit gar nicht zu überschätzen ist –, aber eben auch die ständige institutionelle und intellektuelle Präsenz, die die American Academy verkörpert. Amerikas Realitäten werden manchmal vergessen. Da ist es nötig, sie zu importieren.

Menschen und ihre Werte sind unverzichtbar für jede Public Diplomacy-Strategie. Und Writers-in-Residence wie Hilton Als, Jeff Eugenides und Sigrid Nunez oder Wissenschaftler wie Carolyn Bynum, T.J. Clark und Michael Geyer verbürgen intellektuelle Nähe und moralische Verbundenheit. Doch die Wirkung der Academy reicht weiter. Der Besuch dreier ehemaliger US-Botschafter im Nahen Osten im Frühjahr in der Academy – einer von ihnen war der führende Kopf von Bushs Kommission für Public Diplomacy in der arabischen und muslimischen Welt –, bewies ihren Wert bei der Unterstützung strategischer Partnerschaften in heiklen außenpolitischen Fragen. In über fünfzig Gesprächsrunden waren sie gefragte Partner.

Die Ansprache des Bundeskanzlers am Jahrestag des Abzugs der Alliierten erinnert daran, dass dieses Ereignis den ersten Anstoß zur Gründung der Academy gab. Sie hat erreicht, was ihr Ziel ist: die deutsch-amerikanischen Beziehungen auf einer neuen Ebene fortzuführen. Gemeinsam werden Richard C. Holbrooke, Kuratoriumsvorsitzender der American Academy, und Reinhard Franke, General Manager der AIG Deutschland, ein neues Projekt ankündigen, um dieser Aufgabe künftig noch umfassender und besser gerecht zu werden: das C.V. Starr Public Policy Forum. Mit ihm wird an der Academy eine Plattform entstehen, auf der Experten aus Politik und Wirtschaft mit den Fellows zusammentreffen, um eine neue Form der Partnerschaft zu begründen.

Der Autor ist geschäftsführender Direktor der American Academy in Berlin

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