Zeitung Heute : "Nachhaltige Mobilität": Eigener Erdgas-Umrüster

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Möglichst niedriger Verbrauch und minimale Schadstoff-Emissionen - das sind Hauptziele bei der Entwicklung neuer Motoren für unsere Autos. Und wenn nicht alle Zeichen täuschen, dann dürfte langfristig gesehen Wasserstoff der Kraftstoff der Zukunft sein - nicht nur für Verbrennungsmotoren, wie sie von BMW favorisiert werden, sondern vor allem auch als Betriebsstoff für Brennstoffzellen, in denen aus ihm und Sauerstoff elektrischer Strom erzeugt wird, mit dem sich dann Elektromotoren betreiben lassen. Doch der Weg bis zu einer lückenlosen Wasserstoff-Infrastruktur erfordert noch einige Jahre oder gar Jahrzehnte. Deshalb ist es sinnvoll, für diese Übergangszeit nach Alternativen für die derzeit üblichen flüssigen Kraftstoffe wie Benzin und Diesel zu suchen.

Eine der attraktivsten Alternativen ist zweifellos Erdgas. Denn das ist praktisch sofort verfügbar und kann zudem in den heute üblichen Motoren problemlos verbrannt werden, wenn man sie entsprechend umrüstet. Genau das ist Aufgabe der CNG-Technik GmbH in Mainz, die jetzt als eigenes Unternehmen von Ford für die Umrüstung von Fahrzeugen auf Ergasbetrieb gegründet wurde. Hervorgegangen aus einer seit 1995 eng mit Ford zusammenarbeitenden Abteilung der Stadtwerke Mainz wird die CNG-Technik europaweit hochwertige Umrüstsätze für den Erdgasbetrieb von Ford-Modellen produzieren und vertreiben und ein flächendeckendes Netz von Umrüstern aufbauen, die die Umrüstsätze in Ford-Modelle einbauen.

Diese Umrüstung geschieht besonders servicefreundlich. Denn der Kunde bestellt sein Erdgas-Fahrzeug beim Ford-Händler. Der koordiniert den Umbau auf Erdgasantrieb mit der CNG-Technik oder einem ihrer Vertragspartner und liefert dem Käufer sein Erdgas-Fahrzeug zulassungsfähig aus. Für das Ford-Basisfahrzeug einschließlich Motor gilt in diesen Fällen in vollem Umfang die Werksgarantie. Für das Erdgassystem selbst gilt die Garantie der CNG-Technik.

Fahrzeuge für den Erdgasbetrieb gibt es bei Ford bereits seit 1994. Und seit 1996 sind die Kölner die Marke mit dem breitesten Angebot von Autos auf dem Markt, die ab Werk mit Benzinmotor ausgeliefert und anschließend entweder auf monovalenten Erdgasantrieb (nur Erdgasbetrieb möglich) oder bivalenten Erdgasantrieb (entweder Erdgas- oder Benzinbetrieb möglich) umgestellt werden können.

Zum derzeit verfügbaren aktuellen Angebot gehören die Modelle Ford Ka, Ford Fiesta und Ford Fiesta Courier jeweils mit 1,3-Liter-Motor, der Ford Focus mit 1,8-Liter-Motor und der neue Galaxy mit 2,3-Liter-Motor in Verbindung mit dem Automatikgetriebe. Für Taxiunternehmen und Fahrschulen bietet Ford dabei besonders attraktive Paketlösungen an. Und von April an kann auch der neue Ford Transit in der 2,3-Liter-Version mit Heckantrieb auf Erdgasbetrieb umgerüstet werden.

Für die Umrüstung spricht vor allem der besonders emissionsarme Betrieb der Motoren mit Erdgas. Denn Erdgas, das in unseren Haushalten längst das früher übliche Stadtgas verdrängt hat, besteht hauptsächlich aus Methan. Und das verbrennt in unseren Automotoren sehr viel schadstoffärmer als die flüssigen Kraftstoffe. 80 Prozent weniger an höheren Kohlenwasserstoffen und Stickoxiden, bis zu 50 Prozent weniger Kohlenmonoxid und bis zu 20 Prozent weniger CO2

sprechen für sich. Hinzu kommt, dass Erdgasmotoren keine Partikel und keine Schwefeldioxidemissionen haben. Und dank seiner hohen Oktanzahl von rund 140 ist Erdgas ein idealer Treibstoff für hochverdichtete Motoren. Eine Fülle von Pluspunkten, die es schwer verständlich machen, dass Erdgas als Kraftstoff bei uns bislang nur eine Nebenrolle spielt.

Aber jede Medaille hat ihre zwei Seiten. Denn Erdgas bietet nicht nur Vorteile, sondern schafft auch Probleme. Das größte ist die Speicherung von ausreichenden Erdgasmengen für längere Fahrten im Auto. Denn dafür braucht man relativ viel Platz einnehmende Drucktanks, in denen das Erdgas mit einem Druck von rund 200 bar als CNG (Compressed Natural Gas) gespeichert wird. So geht der Einbau dieser Tanks oft zu Lasten des verfügbaren Kofferraums oder aber auch der hinteren Sitzbank. Ein zweites derzeit noch aktuelles Problem ist mit rund 150 Stationen, von denen die Mehrzahl zudem nur tagsüber zugänglich ist, das zur Zeit in Deutschland noch recht grobmaschige Netz der Erdgastankstellen. Wer mit einem Erdgasfahrzeug Langstrecken fahren möchte, ist deshalb gut beraten, ein Fahrzeug mit bivalentem Antrieb zu nutzen. Denn dann kann bei leergefahrenem Erdgastank mit einem Knopfdruck auf Benzinbetrieb umgestellt werden, so dass man uneingeschränkt beweglich bleibt.

Natürlich sind solche bivalenten Fahrzeuge ein Kompromiss. Denn ihr Motor muss so eingestellt werden, dass er mit beiden Kraftstoffen ordentlich arbeitet. Die Chance, einen Verbrennungsmotor auf den Betrieb mit Erdgas zu optimieren, hat man nur bei einem monovalenten Fahrzeug.

Für Erdgas im Auto spricht aber nicht nur dessen Umweltfreundlichkeit, sondern auch der Preis. Denn bis zum Jahr 2009 ist der derzeit niedrige Steuersatz verbindlich festgelegt. Das aber bedeutet, dass man für Erdgas umgerechnet auf den Energieinhalt verglichen mit Benzin einen Literpreis von etwa 0,75 DM und auf Diesel von 0,85 DM zahlt. Mit Blick darauf, dass große Erdgasversorger wie zum Beispiel Thyssengas derzeit an einer Verdoppelung des Tankstellennetzes für Erdgas arbeiten und angesichts weiterer Erdgasmodelle auch anderer Fahrzeughersteller könnte es durchaus sein, dass auch in Deutschland bald mehr Autofahrer an der Erdgassäule tanken.

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