Zeitung Heute : "Nachhaltige Mobilität": Grüner Flottenbesuch in Berlin

Ingo Dahlern

Autos für die Mobilität der Zukunft nennt Ford seine "grüne" Flotte, die nach einem Besuch bei der EU-Kommission in Brüssel vor einer Woche soeben in den Botschaften der Nordischen Länder in Berlin zu einem kurzen Besuch der Hauptstadt vor Anker ging. Angeführt vom Focus FCV mit Brennstoffzelle präsentierten sich Politikern, an ihrer Spitze Bundesverkehrsminister Bodewig, und Vertretern von Umweltverbänden das Forschungsfahrzeug e-Ka, der elektrische Citywagen Th!nk, die Modelle Ford Ka, Focus und Galaxy mit Erdgasantrieb, der besonders sparsame und emissionsarme Fiesta Lynx Diesel und ein Focus, der Ethanol tanken kann.

Das sind Fahrzeuge, mit denen Ford sich bemüht, Alternativen zum heutigen Auto mit konventionellem Verbrennungsmotor zu entwickeln. Ziel dieser Entwicklungen ist ein schadstoff- und kohlendioxidfreier Verkehr als Basis einer künftigen umweltneutralen Mobilität, in der Nachhaltigkeit prägendes Element ist. Zwar habe man, so Ford-Vorstandsvorsitzender Rolf Zimmermann, derzeit noch keine detaillierte Vorstellung davon, wie eine solche "Nachhaltige Mobilität" einmal aussehen werde. Doch Fahrzeuge mit alternativen Antrieben spielten dabei ebenso wie alternative Kraftstoffe eine tragende Rolle. Und die "grüne" Flotte stehe als Bestätigung dafür, dass Ford hier ganz vorn mit dabei ist.

Das zeigt zum Beispiel der erstmals in Deutschland gezeigte Focus FCV. Das ist ein bis auf seinen knappen Kofferraum vollwertiger Fünfsitzer mit Stufenheck, dessen Brennstoffzellen zusammen mit dem kanadischen Spezialisten Ballard Power Systems entwickelt wurden, der auch mit DaimlerChrysler zusammenarbeitet. Ebenso wie die Necar-Modelle bestätigt der Focus FCV, wie kompakt die Brennstoffzellentechnik inzwischen ist. Der 65 kW (88 PS) leistende Elektromotor macht das Auto bis zu 130 km/h schnell und sorgt, wie eine Proberunde bestätigte, für flotten Anzug. Betankt wird der Focus mit auf 250 bar komprimiertem Wasserstoff, wobei eine Füllung eine Reichweite von rund 160 km erlaubt.

Mit Blick darauf, dass in absehbarer Zeit noch keine Infrastruktur für das Tanken von Wasserstoff verfügbar sein wird, arbeitet man auch bei Ford an Alternativen mit Reformer, die zum Beispiel Methanol tanken und daraus den Wasserstoff an Bord erzeugen können. Beim Focus FSV handelt es sich allerdings noch um einen Prototypen, dessen Kosten insbesondere für die Brennstoffzelle derzeit noch extrem hoch sind. Erstmals in Kundenhand kommen Brennstoffzellenfahrzeuge von Ford voraussichtlich im Jahr 2004 und mit einer Serienfertigung rechnet man für den Zeitraum zwischen 2007 und 2010.

Ein reines Forschungsfahrzeug ist der in Berlin gezeigte Ford e-Ka - ein Elektroauto, das im Unterschied zu Brennstoffzellenfahrzeugen seinen Strom nicht an Bord erzeugt, sondern ihn aus einer aufladbaren Batterie entnimmt, die an jeder normalen Haushaltssteckdose aufgeladen werden kann, wobei eine komplette Ladung sechs Stunden dauert. Hier setzt man bei Ford auf eine moderne Lithium-Ionen-Hochleistungs-Batterie mit einem Speichervermögen von 28 kWh. Die rund 280 kg schwere Batterie versorgt einen 65 kW (88 PS) leistenden Elektromotor, der den e-Ka bis zu 130 km/h schnell macht und ihm eine Reichweite von bis zu 200 km erlaubt. Für den Spurt auf Tempo 100 benötigt dieses Auto, bei dessen Karosserie modernste Leichtbautechniken eingesetzt wurden, gerade einmal 12,7 Sekunden - ein durchaus flottes Fahrzeug also.

Bei Ford geht man davon aus, dass auch Elektroautos für begrenzte Anwendungen in Zukunft durchaus eine Chance haben. Das unterstreicht das Engagement für den kleinen Stadtflitzer Th!nk City. Dieser nur 2,99 Meter lange Zweisitzer, von dem seit längeren bereits ein Exemplar zum Fuhrpark der norwegischen Botschaft gehört, wird bereits in Norwegen gebaut. Entwickelt wurde er von der zu Ford gehörenden kalifornischen Th!nk-Gruppe, unter deren Dach seit 1999 alle Aktivitäten von Ford auf dem Gebiet alternativer Antriebe zusammengefasst sind. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 90km/h und einer Reichweite von 85 Kilometer mit einer Ladung seiner Nickel-Cadmium-Batterien, die am normalen 230-Volt-Stromnetz aufgeladen werden, ist der Th!nk ein ideales und überraschend flottes Stadtauto. Sein großes Problem ist allerdings der bei rund 30000 DM liegende Preis.

Abgerundet wurde die Präsentation der "grünen" Flotte von Ford durch drei Modelle mit Erdgasantrieb, die bereits im Handel und eine wichtige Zwischenetappe auf dem Weg zu einer künftigen Wasserstoffwirtschaft sind. Interessant ist auch ein mit Ethanol betriebener Focus, wie er vom Herbst an in Schweden angeboten wird, wo es bereits mehr als

50 Ethanol-Tankstellen gibt. Und wie sauber moderne Diesel sein können, beweist der Ford Fiesta Lynx Turbodiesel mit 55 kW (75 PS) leistendem 1,8-l-Direkteinspritzer, der bei einem Durchschnittsverbrauch von 4,5 l/100 km nur noch 120 g C02 pro Kilometer emittiert.

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