Zeitung Heute : Nachrichten

— Katia & Marielle Labèque: Maurice Ravel (KML Recordings)

Die Labèque-Schwestern haben ein eigenes Label gegründet und sind zu ihren baskischen Wurzeln zurückgekehrt. Ihre Aufnahme vierhändiger Klavierwerke von Ravel verströmt eine glutvolle Reife, die an kühlen Herbstabenden den Kamin ersetzt. Im Notfall sogar ein Glas funkelnden Rotweins.

— Beethoven:

2. & 7. Symphonie. Haydn

Orchester von Bozen und Trient, Gustav Kuhn (Col Legno)

Italienische Orchester, die auf Spitzenniveau spielen, sind rar. Doch der Auftakt zum Beethoven-Zyklus des Haydn Orchesters von Bozen und Trient begeistert. Alpine Höhenluft strömt durch die Partitur, reißt mit sich zu Rausch oder tiefer Einsamkeit. Das Orchester als verschworene Seilschaft.

— Haydn: Songs and Cantatas. Susanne Rydén, Mark Tatlow (Berlin Classics)

Die schwedische Sopranistin und ihr Begleiter am Hammerflügel spielen Haydns Londoner Salonwerke very British. Ob Ariadne klagt, die Meerjungfrau lockt oder Nelson eine Seeschlacht gewinnt: Es geht geradezu unheimlich gesittet zu. „Beauty’s a charm, but soon the charm will pass.“ Gut zu starkem Tee.

— Improvisata.

Fabio Biondi, Europa Galante (Virgin Classics)

Achtung, beim Abspielen dieser CD beginnen die Elemente zu toben! Durch Stürme und schäumende Meere entführt der sizilianische Geiger Fabio Biondi direkt in das Haus des Teufels. Bis das Geläut der Glocken von Rom diesem herrlichen Barockspuk ein Ende bereitet – leider viel zu früh nach 54 Minuten.

— Wunderlich populär (Polydor)

Wer es ernst meint mit dem Studium der Unterhaltungsmusik, der braucht diese CD. Wunderbare Arrangements von Schlagern wie „Der Duft, der eine schöne Frau begleitet“, 1953 von Fritz Wunderlich gesungen als gäbe es kein Gestern. Urdeutsches Sentiment wird von einem unbekümmert virilen Tenor erlegt wie der Drachen von Siegfried – nur eleganter.

— Beethoven:

Klavierkonzert Nr. 5.

Hélène Grimaud, Staatskapelle Dresden, Vladimir Jurowski (DG)

Eine auf spektakuläre Lichteffekte angelegte Begegnung, die kalte Schatten wirft. Aus ihnen wagen sich gefährlich verletzliche Piano-Passagen hervor – bis das Orchester mit breitem Scheinwerferstrahl blendet. Das hat etwas mit Gewalt zu tun und unheilvoller Größe. Ein bisschen deutscher Alptraum.

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