Zeitung Heute : Nachrichten

— Shellac: Excellent Italian Greyhound (Touch & Go)

Steve Albini ist Gott. Nicht weil er sie alle produziert hat, von den Pixies bis Nirvana, PJ Harvey und Led Zeppelin. Sondern weil er mit seiner Band Shellac Rockmusik macht, die so gar nichts von den Pixies oder Nirvana hat, und auch nichts von zeitgenössischem Gute-Laune-Rock. Shellacs Rock ist trocken, unverblasen und stumpf, verquer groovend und doch auf den Punkt, da sitzt jeder Ton.

— Supermayer: Save The World (Kompakt)

Die Soloalben von Michael Mayer und dem Superpitcher vor drei Jahren waren jeweils schon eine Klasse für sich, bei Mayer war es herb-schöner Techno, bei Superpitcher disparat-fluffiger Techno. Jetzt retten beide zusammen die Welt, und das verspielter denn je: verspielte Rave-Glückseligkeit, sonnige Balladen, sphärischer Minimal-Techno.

— Common: Finding Forever (Geffen)

Grandioser Hip-Hop wird in den USA nicht immer nur von Großmäulern gemacht. Common ist einer von den Besonnenen des Genres, ein Mann des Wortes und der Gedanken, wenn auch manchmal arg spirituell. Aber das muss wohl so sein. Wie er Soul-Einflüsse in seinen Tracks verarbeitet, ist er näher an den Roots oder an Erykah Badu als an Leuten wie Nas oder Jay-Z.

— Broken Social Scene Presents Kevin Drew: Spirit If... (City Slang)

Wer hier wen präsentiert, wird nicht ganz klar: die Band einen der Ihren, oder umgekehrt? Am Ende ist es egal: Ein Broken-Social-Scene-Album ist ein Broken-Social-Scene-Album, also Pop und noch mal Pop und noch mal Überschwang und noch mal Opulenz. Fragt sich nur noch, warum alle Welt auf einmal Kollektive so toll und wichtig findet.

— Sonic Youth:

Daydream Nation (Geffen)

Als dieses Album vor fast zwanzig Jahren erschien, hätte wohl keiner gedacht, dass es einmal ein Klassiker werden würde. Denn alles darauf sperrt sich gegen Klassikerwerdung, gegen Format-Rock, gegen Dinosaurier-Rock, gegen Rockkack – zumindest dachte man das damals und hörte diese Musik ja genau deswegen. Und heute? Ganz klar, es war nie was anderes als ein Klassiker.

— Justice: † (Warner)

Mehr ein Rohrkrepierer als ein richtiger Knaller, viel Generve, wenig Sause, wenig Superdiscount, eher eine Art Mini-Discount. Keine Ahnung, warum diese Franzosen jetzt von aller Welt so abgefeiert werden, Paris war wohl mal wieder dran. Man muss da doch auf die frühen Klassiker des French House verweisen, auf Motorbass, auf Daft Punks „Homework“, auf Étienne de Crécys verlässlich schönes „Terrorvision“.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar