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Auf maßgeschneiderte Lösungen schwören nicht nur Individualisten. Passgenaue Inneneinbauten können bei vielen Wohnproblemen nützlich sein: Etwa wenn die Dachschräge im Schlafzimmer das Aufstellen eines Kleiderschranks verhindert oder ungünstig angeordnete Fenster sich hartnäckig

jedem Einrichtungsversuch widersetzen. Wenn die umfangreiche Schuhsammlung keinen Platz mehr findet oder die zur Privatbibliothek angewachsenen Bücherberge längst alle Regale von der Stange überquellen lassen.

Wie praktisch ein eingebauter Kleiderschrank ist, weiß jeder, der beim Ausräumen der Umzugskartons schon einmal mit Schrecken entdeckt hat, dass die mitgeschleppten Schränke für das jahrelang angestaute Alltagsgut nicht mehr ausreichen. Nicht selten behilft man sich dann damit, den kleinsten Raum der Wohnung zum Schrankzimmer umzufunktionieren und mit Regalen und Kommoden vollzustopfen. So elegant wie in alten Herrenhäusern, wo zu jedem Schlafzimmer noch ein

großzügiger Ankleideraum gehörte, sind solche

Lösungen freilich nicht.

Die Moderne wusste es deshalb besser: Die funktionale Bauhaus-Schule sahen in ihren Entwürfen fast immer integrierte Staumöglichkeiten vor. Und viele Plattenbauten der 50er und 60er Jahren überzeugten zumindest in einem Punkt: Jedes Zimmer wurde dezent und stimmig mit Einbauschränken ausgestattet. Im Unterschied zu vielen angloamerikanischen Ländern ist das heute in Deutschland nicht mehr die Regel. Nach modern integriertem Stauraum oder großbürgerlich begehbaren Kleiderschränken sucht man oft vergeblich. Wer hier

Abhilfe schaffen will, muss deshalb selbst Hand

anlegen.

Einer der feinsten Anbieter für derartigen Luxus ist die italienische Firma Poliform (www.poliform.it). Das Unternehmen bietet verschiedene Varianten begehbarer Kleiderschränke an, so genannte „Walk-in-closets“. Sie überzeugen durch unterschiedlich gegliederte Ordnungssysteme und sehen beinahe so nobel aus wie offizielle Showrooms.

Eine gute Adresse für begehbare Kleiderschränke ist auch das Unternehmen Raumplus, das sich auf flexible Baukastensysteme spezialisiert hat (www.raumplus.de). Neben modernen Gleittüren und Trennwänden werden hier komplette Schränke angefertigt, darunter verschiedene Varianten für begehbare Kleiderschränke. Praktisch sind diese flexibel anpassbaren Systeme vor allem deshalb, weil sie sich bei einem Umzug meist ohne Probleme ausbauen und in die neue Wohnung integrieren lassen.

Wer ein eigenes Haus baut, wird die Frage der Einbauten schon beim Entwurf mit dem Architekten klären. Oder nachträglich angehen, wenn etwa renoviert wird. Die einfachste und preiswerteste Lösung ist dabei die Beauftragung eines Tischlers. Ästhetisch versierter ist aber meist ein Innenarchitekt, der bei der Raumgestaltung auch auf Ideen kommt, von denen man vorher nicht geglaubt hätte, dass sie sich überhaupt realisieren lassen.

Eine der namhaftesten Firmen, die sich auf maßangefertigte Innenausbauten spezialisiert hat, ist die österreichische Manufaktur Neue Wiener Werkstätte, zu deren Kunden unter anderem Wolfgang Joop und König Fahd von Saudi Arabien zählen (www.neuewienerwerkstaette.at). Seit über hundert Jahren werden hier in qualitätvoller Handarbeit passgenaue Einrichtungslösungen gebaut – vom Schrank über die Heizungsverkleidung bis zur Kamineinfassung. Wandpaneele – entweder in Kniehöhe oder gleich als Komplettvertäfelung bis zur Decke – sind derzeit ebenfalls beliebt. Die Neue Wiener Werkstätte fertigt aber auch Türen und Fenstern als Sondereditionen an, mitsamt der dazu passenden Scharniere, Klinken und Griffe. Denn für einen stimmigen Gesamteindruck sind

gerade kleine Details entscheidend. So mancher

Geschmackspapst bekommt einen gehörigen Wutanfall, wenn scheinbar nebensächliche Kleinigkeiten wie Lichtschalter oder Türdrücker nicht mit dem „Willen zur Schönheit“ gestaltet wurden –

mit dieser amüsanten Formulierung machte jedenfalls der österreichisch-amerikanische Architekt

Richard Neutra seinem Ärger Luft.

In früheren Zeiten scheint besagter Wille allerdings weitaus größer gewesen zu sein: Denn Bauhaus und „Guten Form“-Ansprüchen zum Trotz sind weder Standardtürklinken noch Lichtschalter oder Steckdosen im Laufe der Jahre formschöner geworden. In New York hat sich deshalb das

Geschäft Urban Archaeology darauf spezialisiert, edel verschnörkelte Einbauten aus alten Abrisshäusern zu retten (www.urbanarchaeology.com). Die Nachfrage nach dem Glanz vergangener Tage ist so groß, dass die Prunkstücke inzwischen neu angefertigt werden. Das hat natürlich seinen Preis. Doch selbst für Mietwohnungen kann ein solcher Einbau lohnen: Zumal sich jeder Lichtschalter wieder ausbauen lässt – und die Wirkung eines schönen Details meist größer ist, als man zuvor gedacht hätte.

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