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Es ist eine Geschichte wie aus dem Unternehmer-Bilderbuch: Zwei Brüder, einander zum Verwechseln ähnlich, gründen eine Firma und gewinnen prompt beim Deutschen Gründungswettbewerb. 2000 war das, Thorsten und Marc Bartsch hatte gerade ein System zur Aktenerkennung per Funk eingeführt. Die beiden haben noch einen älteren Bruder, Axel Bartsch, der macht den Rechtsbeistand. Acht Leute arbeiten bei Thax Software und entwickeln das sogenannte „Findentity“-System ständig weiter. Das Neueste: Hält man ein ausgedrucktes Dokument vor eine Webcam, erkennt das Programm an einem Code die Originaldatei und holt sie auf den Schirm. Beste Workflow-Optimierung. Bei der CeBIT präsentierte Thax außerdem ein Programm, mit dem sich Blackberrys als Diktiergerät verwenden lassen. Die Brüder sind gebürtige Berliner und schätzen die Offenheit ihrer Stadt. Einmal, erzählt Marc Bartsch, trafen sie den Regierenden Bürgermeister auf einem Straßenfest. Kurz darauf schaute der in der Firma vorbei. Seitdem wird auch im Roten Rathaus die ganze Post mit Findentity erfasst.

Sein Lieblingsplatz in Berlin? „Der Mauerpark.“ Vielleicht wurde Paul Chojecki ja von den Bewegungen der Kinder inspiriert, die dort ihre Drachen steigen lassen. Wenn der Berliner Wissenschaftler seine neueste Entwicklung vorführt, sieht es jedenfalls so aus, als hielte er Nylonfäden in der Hand. Tut er aber nicht. Gar nichts hat er in der Hand, und trotzdem dreht und vergrößert sich das Foto auf der Leinwand mit jedem Wink seiner Finger. Mit dem iPoint Presenter, der mit Kameras die Bewegungen der Zeige-

finger in Befehle umsetzt, hat der Projektentwickler vom Fraunhofer Institut für Nachrichtentechnik auf der CeBIT das Publikum verblüfft. Schließlich war das vor ein paar Jahren, als Tom Cruise in „Minority Report“ freihändig eine Präsentation steuerte, noch Science Fiction. Jetzt ist die Technik einsetzbar - für Vorträge, Infoterminals und vielleicht auch bald bei heiklen Operationen. Wird Paul Chojecki jetzt reich? „Naja“, lacht er. Noch hat er keine Verträge abgeschlossen. Mit dem Patentschutz ist es schwierig, schließlich hat er ein Verfahren verwendet, das schon lange bekannt war. Er hat es nur weiter verfeinert als alle anderen. „Oft bringt es mehr, das was man schon hat, sinnvoll anzuwenden, als etwas neues zu entwickeln.“ Nach diesem Motto wird Chojecki weiter tüfteln. Bis der Computer auch Gesten und Mimik versteht.

Martin Werle hat nicht auf der CeBIT ausgestellt, im Rampenlicht stand er trotzdem: Zum dritten Mal wurde die Firma Spacedealer, die er zusammen mit Joanna Piekos betreibt, mit dem „Seal of eExcellence“ ausgezeichnet. Das European Multimedia Forum vergibt die Auszeichnung für Innovationen im IT-Bereich. Nach zweimal Silber gab‘s nun zum ersten Mal Gold. Anlass: die „Hilton Desktop Search“, ein Tool, das Reisebüros, Vielbuchern und Firmenkunden die Zimmerbuchung in Hilton Hotels vereinfacht. 1999 wurde die Agentur für Online-Marketing gegründet. Inzwischen unterhält sie Büros in Düsseldorf, Paris und London und arbeitet für Europcar, Air France und andere Großkunden. 12 Mitarbeiter sitzen in der Berliner Zentrale in der Schlesischen Straße. „Ich bin begeisterter Kreuzberger“, sagt Martin Werle, selbst Zugezogener, wie die meisten begeisterten Kreuzberger. Joanna Piekos sieht den Wandel in Berlin mit Freude: „Nachdem die Stadt lange ein Insel-Dasein geführt hat, wird man hier inzwischen sehr ernst genommen.“ Kolja Reichert

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