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Abgefahren, mit einem umgerüsteten Militärfahrzeug durch Moabit zu pflügen. Der Hummer, fein rausgeputzt mit weißem Lack, polierten Felgen und Bordfernseher, ist ein Schlachtschiff. „Damit kann man Bäume fällen“, erzählt Fabian Werth, während er das Teil in die nächste Kurve steuert. Sein Favorit sei der Wagen nicht, aber „es gibt viele, die damit gerne vor dem Club vorfahren würden.“ Werth würde selbst den Wismann GT vorziehen. 8 Zylinder, 367 PS, brüllt beim Gasgeben wie ein Tiger, will auf der Stelle raus auf die Straße, Kleinwagen fressen. Gerade mal 20 von diesen Luxusboliden gibt es in Deutschland. Könnte am Preis liegen: 165 000 Euro, Fertigung auf Bestellung. Aber wozu sich entscheiden? Es gibt ja auch noch den Ferrari, den Porsche GT3 und den Oldtimer Lotus Super Seven. Wer Mitglied im Celerity Club ist, kann jedes Wochenende ein anderes Auto fahren. Ohne es zu kaufen und ohne sich um Steuer, Versicherung und Wartung zu kümmern. Die Idee stammt vom britischen Rennfahrer Damon Hill und ist so bestechend, dass man sich fragt, warum es das in Deutschland bisher nicht gab: Carsharing für Reiche.

„Ich habe mich früher immer gefragt, wie man an diese Autos rankommt“, erzählt Unternehmer Thomas Lach, der jetzt den Celerity Club gegründet hat, im Meilenwerk, der großen Oldtimerhalle in Moabit. Als er die Lösung hatte, kündigte er seine Stelle als Vice President bei SAP und kaufte Autos. Schöne Autos, schnelle Autos, teure Autos. Für einen Jahresbeitrag zwischen 9950 und 29 950 Euro bekommen Clubmitglieder ein Kilometerkonto, das sie verfahren können. „Wie eine Prepaid-Karte für‘s Handy“, erklärt Fabian Werth, der als Sales Manager für Lach arbeitet. Das Team bereitet sich schon zum Sprung in weitere Großstädte vor. Und vielleicht werden bald auch Yachten und Immobilien geteilt. Schlauer geht’s kaum, will man die Reichen und Wichtigen der Stadt versammeln. „Wir wollen keine Raser und Protzer“, betont Lach. Die Mitgliederzahl ist auf 200 beschränkt, sorgfältig ausgewählt, versteht sich. „Die Leute sollen sich persönlich kennen lernen.“ Man besichtigt Autowerke, fährt auf Gourmet-Rallye in die Toskana oder schießt auf einem Brandenburger Schloss mit antiken Gewehren auf Tontauben. Und Mittwochs trifft man sich im Meilenwerk zum „After Work Lunch“. Über Autos wird da wahrscheinlich nur nebenbei geredet.

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