Zeitung Heute : Nachrichten

Elfter Stock eines Hochhauses am Alexanderplatz. Ausblick über ganz Berlin. Eine imposante Kulisse. In schwindelerregender Höhe befindet sich das Büro von Adam Sello. „anzeigeberlin media“ steht auf dem Klingelschild. Adams Medienagentur. Gegründet vor über acht Jahren. Die Tür steht offen. Das lichtdurchflutete geräumige Büro ähnelt einem Künstleratelier. Eine optimale Beleuchtung durch Tageslicht – wie geschaffen für einen Fotografen. Eine kunterbunte, kreative Welt. Bilder, Dias, Aktenordner, Magazine, Filmmaterial. Allerlei technisches Equipment. Ein geordnetes Chaos. Seit fünf Jahren arbeitet Adam in diesen Räumlichkeiten. Über ihm das „Weekend“. Ein angesagter Berliner Club. Der ausgebildete Diplompsychologe steht ungern im Rampenlicht, drängt sich nicht in den Mittelpunkt. Er ist der Mann im Hintergrund. Hinter der Kamera. Rollbretthelden rund um den Globus zauberten bereits beeindruckende Tricks vor der Linse des Fotokünstlers: Jürgen Horrwarth, Michael Mackrodt, Jan Kliewer und Christoph Wildgrube alias Willow – seine engsten Begleiter. Bastien Salabanzi, Chris Pfanner, Arto Saari, Jake Brown, Tony Trujillo, Lance Mountain und Shane Cross, der im Frühling vergangenen Jahres bei einem tragischen Unfall ums Leben kam. Flüchtige Begegnungen, festgehaltene Augenblicke, Momentaufnahmen des Lebens.

Foto, Video und Psychologie – so fasst Adam seine ideenreiche Medienfabrik zusammen. Sein Thema: Skateboarding. Eine Kultur, eine Bewegung und Lebenseinstellung. Skateboarding sorgt für das besondere Flair, die Magie einer Stadt. Prägt die Seele. Adam prägt Skateboarding – nicht nur in Berlin. Auf seinem Schreibtisch häufen sich Magazinbilder, Fotoabzüge, Aufkleber und Papierberge. Daneben ein rundes Aquarium. Ein Goldfisch schwimmt nervös auf und ab. Markenzeichen und Logo. Der Goldfisch steht für das Gesamtwerk – die Medienagentur und das Magazin anzeigeberlin. Gebündelte Stapel der 21. Ausgabe liegen in Kartons abholbereit an der Eingangtür. Seit über vier Jahren erscheint das kostenlose Sammelsurium prallgefüllter Skateboardartistik. Der 34jährige lebt mit seiner Frau und seinem zweijährigen Sohn in Mitte. Unweit seines Büros. Die erste Begegnung mit dem rollenden Brett ist über 20 Jahre her. Sieben Jahre später nimmt er sich eine Auszeit. Eine Findungsphase. Auf der Suche nach seinem Platz in der Skateboardszene. Adam findet zurück zu seiner Leidenschaft – diesmal als Filmer und Fotograf in Berlin. Los geht’s mit der dreijährigen Produktion seines Streifens „Panorama“. Eine Dokumentation der Berliner Rollbrettkultur auf DVD. Ein Meilenstein in der deutschen Skateboardwelt. Sein anzeigeberlin Magazin folgt. Die Grundidee: ein eigenes Magazin mit persönlichem, ästhetischem, künstlerischem Anspruch. Parallel arbeitet Adam als freier Fotograf für bekannte Skateboardmagazine wie Place oder Kingpin. Die Skateboardsequenz auf dem doppelseitigen Panoramabild in dieser meinBerlin Ausgabe trägt seine Handschrift.

Momentan steckt er seine Energie in eine Herzensangelegenheit. Adam hat eine Vision. Eine multifunktionale Stadtskulptur mitten in Berlin. Geformt aus dem blaugrauen Granit vom Palast der Republik. Recycelte Geschichte. Eingebettet ins urbane Leben. Zugänglich für Berliner, Berlinbesucher und Skateboarder aus aller Herren Länder. Eine Vermischung von Stadtleben und Skateboarding – ähnlich wie bei der sogenannten Baustelle am Kulturforum. Neben Philharmonie und Nationalgalerie. Treffpunkt für Rollbrettfahrer aus aller Welt. Adams Idee: ein erlebbarer öffentlicher Raum mit hoher Aufenthaltsqualität. Interessiert zeigt sich das Bezirksamt Mitte. Bezirksstadtrat Ephraim Gothe ist angetan von diesem Vorhaben, signalisiert seine Unterstützung bei der Suche nach einem geeigneten Ort für ein solches Kulturprojekt. Das lässt hoffen. Auf eine neue Form der Stadtgestaltung – initiiert von einer friedlichen, innovativen und kreativen Jugendbewegung.

Sophie Guggenberger

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