Zeitung Heute : Nachrichten

von ANNETTE KÖGEL

Manchmal sind es die kleinen Gesten, über die sich die Menschen am meisten freuen. Wie bei der Verabschiedung der 170 Athleten der deutschen Paralympics-Nationalmannschaft nach China. Diesmal gab es nämlich von Funktionären und Politikern nicht nur einen warmen Händedruck, sondern auch einen MP3-Player fürs Handgepäck: für schnelle Sounds zum Aufpowern, für sanfte Klänge zum Relaxen – gestiftet von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Endlich bekommen mal nicht nur die Olympioniken Handys und Sponsorengeschenke, mag sich so mancher Sportler dabei gedacht haben.

Großer Sport, große Sponsoren: beim Leistungssport von Menschen mit Handicap geht diese Gleichung erst peu à peu auf. Dabei wird Unterstützung aus Sicht der Aktiven dringend benötigt. Denn in Deutschland kann noch kein Athlet von Startprämien oder Medaillengeld leben. Um so wertvoller für die Athleten, dass dank der Finanzierung von Allianz und Deutscher Telekom 54 Athleten im deutschen Team finanziell unterstützt werden. So können sie sich wenigstens vorübergehend vom Job freistellen lassen. „Die Sportler und ihre Spiele sind unglaublich faszinierend und strahlen auch innerhalb des Unternehmens aus“, begründet Allianz-Sprecher Christian Teichmann das Engagement. „Wenn man das einmal miterlebt hat, lässt es einen nicht mehr los.“ Schon lange vor den Spielen hat die Allianz für ihre Mitarbeiter eine Intranetseite eingerichtet – mit fast 70 000 Zugriffen in wenigen Wochen. Das Unternehmen beschäftigt die behinderte Schwimmerin Christina Ziegler, die auch schon bei der Schwimm-WM 2006 in Durban dabei war.

Neu im Sponsorenteam ist die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände – und die ABDA macht weit mehr, als Musikplayer zu verteilen. „Die Partnerschaft entstand während eines parlamentarischen Abends“, sagt Sprecher Thomas Bellartz. „Das Thema hat uns so fasziniert, wir sind sofort eingestiegen.“ Nun liegen in allen Apotheken deutschlandweit in Aufstellern Flyer mit dem Paralympics-TV-Programm aus. „Die erste Auflage ist 2,5 Millionen, wir drucken sicher nach.“ Zudem gibt es erste Kooperationen zwischen Landesverbänden und regionalen Sportvereinen. Und: „Wir werden den Behindertensport künftig bei allen Events präsentieren“, so Bellartz.

Einer der Pioniere der paralympischen Bewegung ist die Firma Otto Bock Health Care mit Sitz in Duderstadt. Hans Georg Näder, Geschäftsführender Gesellschafter des Familienbetriebs, erinnert sich „noch gut an die Anfänge 1988 in Seoul“. Vier Techniker von Otto Bock Australien boten den Athleten in einem kleinen Pavillon ihre Hilfe an. „1992 transportieren wir erstmals einen kompletten Werkstattcontainer nach Barcelona.“ In Peking stellte der Weltmarktführer im Bereich Prothetik und führende Anbieter von Orthetik und Hightech-Rollstühlen bereits einen Rekord auf, bevor die Spiele überhaupt begonnen haben: 136 Techniker aus 19 Ländern unterstützen die Athleten aus aller Welt in der Zentralwerkstatt im Sportlerdorf sowie an Service-Stationen an 13 Wettkampfstätten. Auch die Teilnehmer aus armen Ländern lassen sich da ihre Rollstühle oder Prothesen vorm Wettkampf nochmal von Technikern warten. Ganze Containerladungen Material hat Otto Bock nach China verschifft.

In China haben „die Böcke“, wie Sportler das Unternehmen nennen, eigene Mitarbeiter von Otto Bock China in Lehrgängen für den technischen Support unterrichtet. Bei den Paralympics in Turin organisierte das Unternehmen auch die Open-Air-Partys in Sestriere.

Zu den langjährigen Förderern des Behindertensports gehört auch die Bayer AG. Sportler wie der Leichtathlet Heinrich Popow haben bei Paralympics schon fast 50 Medaillen geholt. Bayer wiederum nutzt den Titel „Förderer des Behindertensports in Deutschland“ in der Öffentlichkeitsarbeit. Popow sprintet etwa auf Plakaten, „um Imagewerte in einem positiv besetzten Umfeld zu erreichen“, heißt es beim Unternehmen. Natürlich spiele aber auch ein mäzenatenhafter Gedanke eine Rolle, sagt Sprecher Achim Bellmann. Deutschlandweit engagiert sich der Förderkreis Behindertensport mit Schirmherrin Angela Merkel. Auch bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) besitzt das Paralympics-Engagement „einen hohen Stellenwert“, sagt DGUV-Sprecher Gregor Doepke.

Zu den Global Playern im Sponsoring gehören die weltweiten Partner des International Paralympic Comitee. Sprecherin Steffi Klein zufolge sind das etwa Visa, Samsung, Otto Bock und Atos Origin. Coca Cola stellt seine Getränke während der Spiele imagefördernd auch im Pressezentrum in die Kühlschränke, und VW organisiert die Fahrzeuge für den Shuttle. Carrier der deutschen Mannschaft ist die Lufthansa. Sie alle wollen durch den Einsatz natürlich auch ihre Marktpräsenz vergrößern.

Schneller, höher, weiter: In Peking gibt es eine Premiere. „Wir haben erstmals eine landesweite Imagekampagne in China mit behinderten Sportlern gestartet“, sagt Katja Schreiber von „Adidas China Corporate PR“ in Peking. „Die Paralympics haben hier einen enorm hohen Stellenwert.“ Sicher trägt der eine oder andere Athlet auf den Plakaten auch MP3-Player und Kopfhörer.

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