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DER KLEINE WASSERMANN

Ich war sechs, als ich den „Kleinen Wassermann“ zum ersten Mal gelesen habe, im Winter in einem Allgäuer Krankenhaus. Damals war der Erstling von Otfried Preußler, der später auch mit der „Kleinen Hexe“, dem „Räuber Hotzenplotz“ und „Krabat“ Millionenauflagen machte, noch ziemlich neu. Natürlich liebte ich den kecken Titelhelden, den Jungen mit den Schwimmhäuten, den grünen Haaren und der roten Mütze, der mit seiner Familie unten im Mühlenweiher lebt und die Welt oben an der Luft erkundet, und ein Klitzekleinkinderrestchen meiner Erwachsenenseele liebt ihn noch heute. Das Buch weckte in mir ein erstes Gefühl dafür, dass es viele Welten gibt; dass unsere Welt anderen Welten fremd erscheint; dass sogar unsere eigene Welt uns selber fremd sein kann. Mein neuer Lieblingssatz? Steht in meinem Lieblingskapitel von damals. Da kommt der kleine Wassermann zu den Menschenkindern, die am Ufer Kartoffeln überm Feuer braten, und bevor er sich zu ihnen setzen darf, muss er ihnen seine Herkunft erklären. „Na, ich bin doch der kleine Wassermann, seht ihr das nicht?“ Jan Schulz-Ojala

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