Zeitung Heute : Nachrichten

Frank Jansen

THEKENTANZ

Roberta,

Zionskirchstraße 7 in Mitte, Tel.: 48623131, geöffnet täglich von 18 bis 4 Uhr

Warum nicht mal wieder in einer kleinen Bar vorbeischauen, die von den Flaneurparaden übersehen wird? Vor vier Jahren haben drinking man und compañera das Roberta besucht, ein unprätentiöses Lokal mit einem bunten Stilmix aus Fifties und spätem Sozialismus. Die Bar ist nicht weit von der rummeligen Kastanienallee entfernt, aber doch schon in einer ruhigen Zionskirch-Kiezecke eingebettet. Diese meditative Gründerzeitmietskasernen-an-rubbeligen-Pflasterstraßen-Atmosphäre scheint beinahe zwangsläufig auch so ein kleines Lokal zu prägen. Nicht stilistisch – das Roberta ist keinesfalls zur Altberlin-Kneipe mutiert – sondern mental. Das Ambiente wirkt wie konserviert. Fast alles war wie vor vier Jahren. Einfach nett.

Das drinking couple erkletterte die zum Tresen eingebogene Sitzbank und betrachtete vom erhöhten Standort aus Robertas Inventar. Über dem Tresen baumeln buntbirnige Kugelleuchten, die vermutlich aus einem VEB gerettet worden sind. Auf zwei Wände werden Standbilder projiziert. Ein Dia zeigte jetzt, etwas ausgeblichen, englische Bärenfell-Guards, das andere Motiv war, schon arg schattig, wohl ein Männergesicht. Ein paar Stehtische mit Hochsitzen waren von jungen Pärchen besetzt. Der Service der Keeperella entsprach dem meditativen Groove der Gegend: versonnen, aber freundlich.

Die Karte, etwas schmalbrüstig, scheint sich auch nicht verändert zu haben. Drinking man und compañera bestellten unbewusst, als triebe sie ein Déjà-vu-Impuls, fast die gleichen Cocktails wie einst. Der Florida Sling (Gin, Cherry Brandy, Ananas) war ganz angenehm, hätte aber ähnlich dem damaligen Exemplar ein paar Frisch-Eis-Splitter vertragen können. Das galt auch für den Pinerito (Weißer Rum, Grapefruit, Limette). Überraschend temperamentvoll, nämlich drastisch sauer, kam dann der Gin Fizz. Aha. Roberta kann auch anders.

Nebenan haben inzwischen ein Club namens „hotelbar“ und das italienische Restaurant „UCF“ (steht für urban comfort food) eröffnet. Beides gehört zu Roberta. Für eine meditative Kiezmulde erstaunlich viel Expansion. Wenn Roberta so weitermacht, reibt sich die Zionskirchstraße in vier Jahren fast an der Kastanienallee.

Unsere Rubrik Thekentanz finden Sie künftig regelmäßig auf unserer neuen Seite „Berlin extra“, die von der nächsten Woche an immer mittwochs im Berlin-Teil erscheint.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!