Zeitung Heute : Nachrichten

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— The Divine Comedy: „Absent Friends“

(Parlophone/EMI)

Neil Hannon hat sein Meisterstück abgeliefert: Eine Platte voll bewegender, breitwandig sinfonischer Popsongs, deren seelenwärmende Melancholie einfach tröstlich ist. Dazu britischer Sarkasmus und das bislang schönste Lied des Jahres: „Our Mutual Friend“. Seufz!

— Feist: „Let it die“

(Polydor/Universal)

Leslie Feists glockenheller Sopran verträgt sich prima mit zartem Elektronik-Geknispel und sanft rumpelnden Rhythmen. Aber Kuscheltiere aufgepasst: Hinter den einladenden Melodien des warmherzigen Songwriter-Folks verbergen sich Dornen.

— The Libertines

(Rough Trade/Sanctuary)

Dass die unselig zerstrittenen Freunde Carl Barât und Pete Doherty 14 so zarte, anrührende und mitreißende Songs erfinden, kann einem den Glauben an das Gute in der Welt zurückgeben. Jetzt hofft man nur noch auf ein persönliches Happy End für die traurigen zwei.

— The Streets: „A Grand don’t come for free“ (WEA International)

Die virtuos verschachtelten Beats und kantig schabenden Samples von Mike Skinners Zweitling sind zu schwierig für die Großraumdisko (Ausnahme: „Fit but you know it“). Dafür bringt der verbale Flow der britischen Eminem-Alternative die

Synapsen zum Tanzen.

— Wilco: „A Ghost is born“ (Nonesuch/WEA)

Bisher wirkten die Platten der Alternative-Country-Stars etwas gebremst. Hier tobt schon der Opener mit Gitarrengetöse los. Auch danach werden Wilco hohen Erwartungen gerecht. Nur mit viertelstündigen Nichtsen („Less Than You Think“) mögen sie uns in Zukunft verschonen.

— „From a Man of Mysteries: A Steve Wynn Tribute“ (Blue Rose)

28 Freunde (mit Rich Hopkins, Chris Eckman, Chuck Prophet u. a.) interpretieren Steve Wynns Lieder zwischen kauzigem Elektrofolk und episch orchestrierter Americana. Danach die Soloplatten besorgen und kein Konzert mehr versäumen.

— Wunder: „Was hält uns wach“ (WEA/Warner)

Strafe muss sein: Wer wie diese Hamburger Schnösel einen guten Namen für blöden Schlager-Technopop verschwendet, gehört in den

Recycling-Schredder. Lieber die etwas ältere, aber tolle Platte „Wunder“ des Kölner Electronica-Tüftlers Jörg Follert besorgen (Karaoke Kalk).

— Bebel Gilberto

(V2 Records)

Bebels behutsam modernisierter Bossa Nova ist Balsam für die Nerven gestresster Großstädter. Offenbar hat die Tochter von Joao Gilberto dessen Genie geerbt, denn diese

wunderschönen, schwerelosen Lieder atmen den Geist der großen Bossa-Alben aus den Sechzigern.

— Low: „A Lifetime of

temporarily Relief“

(Rough Trade/Sanctuary)

Fantastische, dazu preiswerte B-Seiten- und Raritäten-Kollektion dieser überaus begnadeten Zeitlupen--Filigran-Rocker aus Minnesota. 52 Songs auf drei CDs, darunter außergewöhnliche Coverversionen (Smiths, Joy Division), plus eine DVD mit allen Videos.

— „England’s dreaming“ (Trikont)

Englands Punk-Chefhistoriker Jon Savage kommentiert 25 Klassiker aus den Anfangstagen der Bewegung. Ohne die üblichen Verdächtigen (Sex Pistols, Clash), dafür mit weniger bekannten, umso lauteren Bands wie X-Ray Spex, The Dils, Bizarros, The Weirdos oder The Urinals.

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