Zeitung Heute : Nachrichten

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— Morrissey, „You Are The Quarry“ (Sanctuary)

Unser Held der Achtziger sieht inzwischen aus wie ein vierschrötiger Bademeister. Doch jetzt – wie aus dem Nichts sein bestes Soloalbum, mit engelhafter Stimme böseste Lieder: Über Amerika, das der Welt nichts zu geben hat außer Hamburger. Ein Terrorist

im Maßanzug.

— Jens Friebe,

„Vorher Nachher Bilder“ (ZickZack/Indigo)

Der Berliner Songwriter ist ein Minimalist: Ein bisschen

tackernde Eighties-Elektronik und ein paar Gitarrenakkorde reichen, dass seine Lieder ihre seltsam schöne Suggestion entfalten können. Diese Melodien! Die nölend-hypnotische Stimme! Und diese Reime! Wunderbar.

— Nylon, „Die Liebe kommt“ (Universal Jazz)

Schlager sind Fünfminutenterrinen für die Seele: An ihrer Sehnsucht kann man sich auch an trübsten Herbsttagen wärmen. Die Berliner Jazzsängerin Lisa Bassenge hat mit ihrer Band einige

Perlen des Genres von Hildegard Knef, Senta Berger

oder Daliah Lavi sanft

modernisiert. zeigt, erzählt im harten Northern Slang seiner Heimatstadt Liverpool vom Alltag zwischen Fish & Chips-Bude, Wochenendbesäufnis und Fußballglotzen. Konkurrentin der Dietrich, stieg schon in den Dreißigern zum Star auf. Mit ihrer dunklen Stimme raunt sie hinreißende Rührmichnichtan-Balladen. Ein Berliner Sammler hebt ihre Schellack-Schlager ins CD-Zeitalter.

— Ennio Morricone, „Mondo Morricone

revisited, Volume 1 - 3“

(Cinesoundz)

Die exzellente Compilation- Reihe präsentiert den Western-Komponisten von einer anderen Seite: als Easy-Listening-Lieferanten für obskure Horror- und Sexstreifen mit Titeln wie „Schizoid“ oder „How I Learned To Love Woman“. Vorsicht, Suchtgefahr!

— Rammstein, „Amerika“ (Universal)

Vor Rammstein und ihren mit rrrollendem Führer-„R“ vorgetragenen Wir-sind-so-schrecklich-böse-Buben-Provokationen muss man sich längst nicht mehr fürchten. Man kann einfach nur noch über sie lachen.

— Frank Chastenier,

„For You“ (Universal Jazz)

Dem Berliner Pianisten und Begleiter Till Brönners gelingt bei seinem Solodebüt das Kunststück, selbst Herbert Grönemeyers Hit „Mensch“ in eine strahlende Cooljazznummer zu verwandeln. Perlende Klavierakkorde, Schneebesen-Schlagzeug, ein entrückter Bass, ab und zu ein paar flirrende Geigensätze.

— Faces, „Five Guys Walk In To A Bar ...“ (Rhino)

Bis heute wird der Band um Rod Stewart und Ron Wood vorgeworfen, dass sie ihr Talent verschwendet habe: an den Alkohol und an die Groupies. Doch dieses opulent ausgestattete 4-CD-Set, das neben den Hits auch viele Raritären versammelt, beweist, dass die Faces zeitweilig die besseren Stones waren.

— John Barry, „The Chase“ (Columbia/Sony)

Wer einmal gesehen hat, wie Marlon Brando in „The Chase“ als Sheriff von drei Rednecks in seinem Büro bis zur blutigen Bewusstlosigkeit geprügelt wird, vergisst die Szene nie wieder. Gewalt hängt über diesem Film, das ist am unheilvollen Flirren der Geigen im Soundtrack des James- Bond-Komponisten zu spüren.

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