Zeitung Heute : Nachrichten

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— David Daniels singt „Les nuits d’été“ von Hector Berlioz (Virgin)

Mit sensationeller Nuancierungskunst baut der Countertenor David Daniels eine perfekte Illusion auf: Die nicht mehr ganz junge Großbürgerstochter sitzt in ihrem Salon, durch ihrem gesellschaftlichen Rang zum Nichtstun verurteilt, und lässt die Gedanken fliegen.

— Gabor Boldoczki:

Trompetenkonzerte (Sony)

Mozarts Oboenkonzert in der Bearbeitung für Trompete gespielt – das ist sicher nicht jedermanns Sache. Andererseits: Die Geläufigkeit der Oboe muss man erst einmal auf einem Blechblasinstrument hinbekommen. Der 27-jährige Gabor Boldoczki schafft es – virtuosissimo.

— Joseph Calleja: Tenor Arias (Decca)

Liebe. Drama. Leidenschaft. Vom Dirigenten Riccardo Chailly auf Händen getragen, bietet der Malteser Joseph Calleja alles, was der Opernsüchtige sich wünscht, wenn er mit rückhaltloser Emotionalität seufzt und schmachtet, leidet, hofft und verzweifelt. So soll ein lyrischer Tenor klingen!

— Renée Morloc singt Zigeunerlieder, begleitet von Philipp Moll (Ars)

Wenn sich Komponisten im prüden 19. Jahrhundert mal was Pikantes erlaubt hatten, kam im Titel gerne das Wort „Zigeuner“ vor. Wenn es darum geht, vokale Glut zu entfachen, ist eine Vollblut-Theaterfrau wie die Mezzosopranistin Renée Morloc genau die Richtige. Heiße Scheibe.

— Hans Rott: 1. Sinfonie; (Arte Nova)

Mitreißend, wie sich der Dirigent Sebastian Weigle für den jung verstorbenen Brucknerschüler Hans Rott engagiert: Mit dem Münchner Rundfunkorchester bringt er das Gesellenstück eines Künstlers zum Leuchten, der das Zeug zum Meister gehabt hätte.

— Alexander Glazunov: Sinfonie Nr.5, Ballett „The Seasons“ (Warner)

Unerklärlich, dass Glazunovs Musik nicht ständig zu hören ist: So raffiniert, gefühlvoll und effektsicher, wie José Serebrier mit dem Royal Scottish National Orchestra die Belle-Epoque-Partituren des Russen vorführt, sind sie garantierte Konzertsaal-Knüller.

— JuanDiego Florez: Great Tenor Arias (Decca)

Warum tut er sich das an? Als koloraturstarker Belcantosänger steht Juan Diego einsam an der Weltspitze. Auf seiner neuen CD aber singt er ausschließlich Arien, die ins „lyrische“ Tenorfach fallen. Da allerdings gibt es jede Menge Konkurrenz mit üppigerem, sinnlicherem Timbre (siehe „Die Rettung“)

— The Last Night of the Proms 2003 (Warner)

Wir Fans des skurrilsten britischen Klassikevents können einfach nicht genug von der einmaligen Atmosphäre in der Londoner Royal Albert Hall bekommen. Attraktivster Programmschwerpunkt im vergangenen Jahr: die Geigerin Leila Josefowicz.

— Claudio Abbado und das Lucerne Festival Orchestra (DG)

Wer nicht das Glück hatte, im Sommer 2003 dabei zu sein, als Claudio Abbado mit seinen Musikerfreunden ein neues Weltklasseorchester gründete, kann nun wenigstens auf CD dem „Wunder von Luzern“ nachhorchen, das sich bei Debussys „La mer“ und Mahlers 2. Sinfonie ereignete.

— Le Chant français 1948 bis 1965 (EMI Classics)

Interessant ist die 10-CD- Sammlung mit Aufnahmen von Régine Crespin, Nicolai Gedda, Michel Dens, Rita Gorr und anderen Opernstars der Grande Nation vor allem, weil hier Komponisten wie Massenet, Gounod, Lalo, Delibes und Charpentier ganz selbstverständlich neben Wagner und Verdi stehen.

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