Zeitung Heute : Nachrichten

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— The Shins: „Chutes too narrow“ (Sub Pop)

Ein paar gute Kumpels an den Instrumenten, ein Sänger mit Mut zum Drama, zehn Songs für die Ewigkeit – so entsteht zeitloser, supermelodischer, Powerpop, der das Beste von Byrds, Beatles und Big Star vereint. Und zwar in Albuquerque.

— Die Türen: „Das Herz war Nihilismus“ (Kook)

Was nicht passt, wird passend gemacht: Die drei Berliner sind keine verschämten Retro-Feinmechaniker, sondern verschrauben dreist geklauten NDW-Pop-Trash mit prima Agitprop-Texten. DAF trifft Van Halen trifft Kurt Schwitters trifft Trio.

— Marianne Faithfull: „Before the Poison“

(Naïve/Ministry of Sound)

Wunderbares Spätwerk einer Frau, die an viele Pforten irdischer Höllen geklopft hat. PJ Harvey und Nick Cave haben tolle Songs komponiert, aber der fragil-entschlossene Gesang hält alles zusammen.

— Ricardo Villalobos: „Thé au Harem d’Archimède“ (Perlon)

Songformate spielen keine Rolle für den Techno-Aristokraten. 75 Minuten lang heben die mit höchster Sorgfalt geschichteten Beats Grenzen zwischen Raum und Zeit auf. Der moderne Verwandte von kosmischem Krautrock.

— The Good Life:

„Album of the Year“ (Saddle Creek)

Dass mürrische Vollbartträger charmante Plaudertaschen sein können, beweist Tim Kasher: Zwar sind viele Stücke vollgesogen mit Americana- Weltschmerz, aber gesunde Selbstironie puffert ihre Traurigkeit eloquent ab.

— Brian Wilson: „Smile“

(Nonesuch/Warner)

Die Neufassung des legendären „Lost Albums“ ist hinreißend schön und ernüchternd zugleich: Wie großartig hätte

„Smile“ 1967 sein können! So funktioniert es als Zugang zum unterschätzten Beach-Boys-Spätwerk.

— Liars: „They were wrong, so we drowned“ (Mute)

Bis zu einer gewissen Lautstärke sind die sägenden Elektronik-Schrapnelle des Trios schönster kathartischer Lärm. Darüber hinaus dürften fiese Frequenzen und unheimliche Grummelchöre schädigend für Gehör und Psyche sein.

— Air: „Talkie Walkie“ (Source/Virgin)

Der aggressionsabbauende Pop des französischen Duos wirkt jetzt noch harmonisierender als früher. Dennoch keine schnöden Klangtapeten, sondern akustische Filigrane, die ein wohltuendes Kontrastmittel für reizüberflutete Pop-Konsumenten sind.

— Sandy Denny:

„A Boxful of Treasures“ (Fledgling Records)

Für die 5-CD-Box der 1978 verstorbenen Londonerin muss man tiefer in die Tasche greifen. Dafür versetzt man Fans erlesener Folkmusik mit dem Karrierequerschnitt der vielleicht größten britischen Sängerin in Verzückung.

— Eno: „Another Green World“ (Virgin/EMI)

1975 definierte Eno die Grenzen zwischen Ambient und Pop. Impressionistische Klangskizzen und introvertierte Songs, und Robert Fripp spielt einige der ergreifendsten Gitarrensoli der Popgeschichte. Nebenbei die beste Platte, an der Phil Collins je mitwirkte.

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