Zeitung Heute : Nachrichten

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— Carlos Kleiber & Erich Kleiber: Borodin, Symphonie N°2 (Hänssler)

Vater&Sohn I: 19 Sekunden bloß trennen diese beiden Aufnahmen – und die Erkenntnis, dass Carlos sich nach 25 Jahren an Vater Erich rächt. Denn Carlos, der Fiebrige, lebt diese farbenprächtige Musik wirklich.

— Christian Gerhaher singt Schumanns „Dichterliebe“ (BMG)

Das ist es: Ein junger deutscher Sänger, der aussieht wie Schubert und sich mit sauber focussiertem Bariton bei Schumann etwas traut. Etwas mehr Bitterkeit könnte Heines Liebender allerdings schon vertragen. Nächstes Mal.

— Die Musica Antiqua Köln entdeckt Biber (DHM)

Entschlackungskur und mentale Katharsis nach all der Fettlebe, die sich neuerdings wieder ungestraft in unsere Gehörgänge schleicht: Bibers Harmonia artificiosa-ariosa. Herrlicher Kontrapunkt. Kühne Harmonik.

— Catrin Finch:

The Harpist (Sony)

Smetanas „Moldau“ für Harfe? Das geht gut, findet Catrin Finch. Und sie hat Recht. Schließlich klingt auf dieser CD auch Debussys „Valse romantique“ so, als hätte einer vergessen, den heimischen Zimmerspringbrunnen abzustellen.

— The Carl-Schuricht-

Collection (Hänssler)

Noch ein Dirigent, der Nazi- Deutschland nicht verließ: Carl Schuricht, u.a. Leiter des Philharmonischen Chors Berlin. Seine Beethoven-Aufnahmen mit dem RSO Stuttgart aus den 50er Jahren sind Zeugnisse einer blitzwachen Intelligenz.

— Harnoncourt dirigiert frühen Mozart (DHM)

Das Mozart-Jahr 2006 wirft seine Schatten voraus. Nikolaus Harnoncourt und der Concentus Musicus Wien stimmen darauf ein – und verweigern mit trotziger Eleganz alle Rokokoschleifchen, jeden Zuckerguss. Irgendwie ist das auch schade.

— Alfred & Adrian Brendel mit Beethoven (Philips)

Vater&Sohn II: Ein tiefes Lot könnte man senken von den Stücken für Klavier und Cello ins ganze Beethovensche Oeuvre hinein, von den frühen Virtuositäten bis zur Anarchie des Spätwerks. Die Brendels versäumen das. Bei ihnen klingt alles gleich.

— Daniel Barenboim

spielt das Wohltemperierte Klavier (Warner)

Zweieinhalb Stunden Bach - daneben lässt sich viel im Haushalt erledigen. Wenn man Glück hat, kommt man rechtzeitig zu Barenboims Glanzstücken wieder am CD-Player vorbei, zum Cis-Dur Präludium etwa oder zur es-Moll Fuge.

— The Fascination of

Furtwängler (DG)

Furtwängler und „seine“ Berliner hat es auf Platte nicht erst während des Krieges gegeben. Vor allem der erste Satz aus Beethovens Fünfter von 1926 und Brahms’ Ungarische Tänze von 1930 zeigen, dass es auch unbelastetere Zeiten gab.

— Furtwänglers Salzburger „Don Giovanni“ (Orfeo)

Schwarz gähnt der Höllenrachen, und aus dem Sängerhimmel winkt ein perfektes Mozart-Ensemble: Siepi in der Titelpartie! Die Schwarzkopf als unmanieriert schmachtende Elvira! Echte Furtwängler-Fans haben das natürlich schon immer gewusst.

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