Zeitung Heute : Nachrichten

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Liebe MinirockFeindinnen, es ist soweit! Die Shorts kommen zurück. Und zwar in drei Längen: sehr kurz (aber noch zu lang, um eine Hotpants zu sein), bis zum mittleren Oberschenkel (siehe Lizzy Jagger, oben auf der Wiese liegend) und knielang. Ob das ein begrüßenswerter Trend ist? Das hängt nicht nur von der Länge der Beine und vom Bundfaltenbügeltalent ab, sondern vor allem von den richtigen Schuhen. Shorts werden jetzt elegant oder klassisch kombiniert, sollten also nur noch beim Bergsteigen mit Turnschuhen oder Traveller-Boots ergänzt werden. Zu allen anderen Gelegenheiten und zur Vermeidung des Touristen-Looks empfehlen sich streckende Absätze.

EFEU

Pfauenfedern stehen hier für den Bohemian-Gipsy-Look, der uns schon in der vergangenen Saison verfolgt hat. Im Sommer wird es noch heftiger: Schlapphüte, die bis tief ins Gesicht gezogen werden, lange Kugelketten, große Sonnenbrillen und eben eitle Pfauenfedern sind die Lieblingsaccessoires einer neuen Generation von Hippies. Mutige Naturen tragen zu allem einen Hauch Patchouli, vorsichtigere Typen entscheiden sich lieber nur für ein einzelnes Hippie-Key-Piece (zum Beispiel extra breite Armreifen aus Holz) und kombinieren es mit Schlichtem. Broschen gehören dagegen nicht mehr an die Jacke, sondern in die Schatulle.

LILIE

Ein Frühling ohne weiße Jeans ist kein Frühling? Das gilt besonders für 2005. Marine ist wie jedes Jahr ein großes Thema, aber diesmal zum Glück ohne goldene Ankerknöpfe und Netzhemden. Maritime Frische braucht keine Blockstreifen mehr, sondern gibt sich mit dezenten, kleinteiligen Mustern zufrieden. Die Jeans-Formen variieren wie selten – aber ein Schnitt beginnt sich durchzusetzen: Der Bund reicht wieder bis zum Bauchnabel. Es gibt sie zwar noch, die leidigen Hüfthosen, doch sie geraten mehr und mehr ins Abseits. Endlich können Frauen wieder einen Bleistift vom Teppich aufheben, ohne gleich ihr Handwerkerdekolleté zu entblößen. Und Piercinglöcher verschwinden hinter der Gürtelschnalle. Wer genug von Jeans hat, entscheidet sich für weit schwingende Tellerröcke, die betonen die Taille nicht nur durch den Schnitt, sondern auch durch die extrem weiblichen Proportionen. Verstärkt wird der Effekt noch von einem Petticoat, den man unter dem Rock (oder einfach unter einem Mantel) trägt.

STROHSTERN

Steht man bereits auf einem Hochplateau, wirken die umliegenden Gipfel gar nicht mehr so hoch. Deshalb eignen sich die neuen Espandrilles mit den dicken Keilabsätzen prima zum entspannten Relativieren der Dinge. Nur die Schleifen, die viele Designer zum Umwickeln der Waden an die ohnehin nicht gerade filigranen Sandalen gebunden haben, sind kritisch zu bewerten – das steht nur Nadja Auermann.

VERGISSMEINNICHT

Die Farbe Khaki gewinnt deswegen an Wichtigkeit, weil sie die perfekte Verdünnung ist für sämtliche Blumendessins und großen Drucke, für alle Killertops und folkloristisch gemusterten Blusen dieser Welt. Mit einer Ergänzung in Khaki (nicht zu verwechseln mit MilitaryTönen) siehts nicht mehr überdressed aus. Khaki neutralisiert im Zweifelsfall sogar eine goldene Pailletten-Korsage. Sarah Jessica Parker wirbt übrigens für die Firma Gap in einem äußerst charmanten Trenchcoat mit weißen Paspeln. Da der amerikanische Basis-Ausstatter seine Filialen in Deutschland dummerweise schließen musste, bekommt man das schöne Stück nur noch per Internet oder in Frankreich und Italien. Aber man bekommt es.

ROSE

Es wird ganz schön kompliziert werden, in den diversen Volumen-Blusen und Volumen-Kleidern in diesem Sommer nicht auszusehen wie ein Michelin-Männchen. Aber interessant sind die Vorschläge der Designer schon – jüngster Fall ist das Oscar-Kleid von Hilary Swank. Wann hat man zum letzten Mal ein Oscar-Kleid mit langen Ärmeln gesehen? Swank hat angeblich behauptet, sie habe ein wenig gefröstelt. In Wirklichkeit wollte sie – wie neuerdings alle Mode-Junkies – bloß mehr Stoff an klassichen Nacktstellen und keinen Stoff an typischen Stoffstellen. Das ist aber nicht alles: Man drapiere für den Komplettlook eine halb aufgeblasene Luftmatratze irgendwie möglichst lässig um den Oberkörper. Diese Schwimmwesten-Optik ist schick und funktional, jedenfalls kann man beim Tretbootfahren auf dem Müggelsee nicht mehr ertrinken.

VEILCHEN

Blau ist das neue Rot. Die aktuelle Palette umfasst alle Farben des Meeres und des Schwimmbeckens. Auf einmal wirkt die Farbe nicht mehr unterkühlt, sondern sogar sexy. Siehe Kate Winslet und Virginia Madsen. Bei Winterblässe mit der Nuance aufpassen.

MOOS

Anschmiegsame Materialien, die jede Bewegung mitmachen ohne einzuengen, wirken an heißen, verschwitzen Sommertage, die man in der Stadt verbringen muss, wie eine Klimaanlage – zum Beispiel Jersey, wie bei Donna Karan, die das schulterfreie, fuchsiafarbene Kleid oben im Bild entworfen hat.

GERBERA

Endlich Gleichberechtigung! Männer mögen es bunt. Die Städte werden diesen Sommer von wandelnden Eisbechern bevölkert werden. pistaziengrüne Pullover, beerenfarbene Jacken, zitronenfarbene Hemden. Nur, bitte beachten: Alles auf einmal geht nicht. Stracciatella und Schokolade schmecken auch nicht schlecht.

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