Zeitung Heute : Nachrichten

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In Paris ist Bernadette Viard Sekretärin in einem Institut, das Sprachkurse für Ausländer organisiert. Zweimal die Woche geht sie statt zum Mittagessen zur Deutschstunde, und dies ist der erste Berlinbesuch. Dass sie in der ersten Nacht so gut schlief, das lag an der liebevoll eingerichteten Pension, in der schon Asta Nielsen übernachtet hat. „In der Pension lebt jeder sein Leben, man hört keine Geräusche“, sagt sie. Aber Asta Nielsen war ja auch ein Stummfilmstar. Der Schwester, die Kinderbücher illustriert, hat sie das größere Zimmer überlassen. Sie selbst mochte die ungewöhnliche Form des kleinen Zimmers und dass es auf den stillen Hof hinausgeht. Eine Großstadt, so ruhig! Am Abend hat sie die ersten Postkarten geschrieben und irgendwann das Licht ausgeknipst, aber im Traum stand sie auf einer Brücke und hatte Angst. Ob sie viele Träume hatte in dieser Nacht? Sie kann sich nur an diesen einen erinnern.

Frühstück gab es bis zehn. Auf dem Buffet standen keine Croissants, aber eine Kanne Kaffee, Aufschnitt, Käse, Konfitüre, Kuchen, Eier Orangensaft, Fruchtsalat, drei, vier Sorten Körnerbrot – beeindruckend und für eine Französin kaum zu schaffen.

Berlin ist uferlos, sagt sie, das hätte sie nicht gedacht. Alles kommt ihr hell vor. Zehn Tage reichen nicht aus, um alles zu sehen. Nur müssten die Berliner den Leuten mehr Aufmerksamkeit schenken. Es ist nämlich schlimm, an einer Bushaltestelle zu stehen, und keiner interessiert sich dafür, dass man nichts versteht.

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