Zeitung Heute : Nachrichten

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Als Marie mitten in der Nacht aufgewacht ist, saß auf ihrem Kissen eine Spinne. „Die erste Nacht in Berlin war gruselig,“ sagt sie, sie hatte sich das anders vorgestellt. Das Studentendorf Schlachtensee bezeichnen viele als idyllisch, aber sie findet es unheimlich, wenn die anderen Studenten Semesterferien haben. Das Dorf ist überwuchert, „wie ein Dschungel“, die Flachbauten liegen im Grünen, „wie für Soldaten“.

Den ganzen ersten Tag lang ist Marie, Studentin der Politikwissenschaften und Philosophie in Bordeaux, sechstes Semester, mit den anderen Austauschstudenten in Berlin herumgelaufen und hatte ein Programm voller Sehenswürdigkeiten. Sie hatte keine Zeit und auch nicht daran gedacht, etwas einzukaufen. Konnte ja keiner ahnen, dass das berühmte Dorf so ab vom Schuss ist! Marie dachte, sie käme in eine Großstadt, aber abends, allein in ihrem Zimmer, hatte sie nur noch Kekse. „Ich habe mich gefürchtet – und ich habe gelesen, um etwas Vertrautes zu haben.“ Das Vertraute war Friedrich Nietzsche, „Considerations inactuelles I et II“ . Man hörte alles von den anderen, sagt sie, denn die Wände sind dünn. Sie kann sich an keinen Traum erinnern. Drei Stunden lang konnte sie nicht einschlafen. Und dann noch die Spinne! Töten konnte sie die aber auch nicht. Um acht Uhr früh hat sie in der Freien Universität gefrühstückt. Apfel und Kekse, mehr war nicht da.

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