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Babett Zeiler, Langengeisling

Eigentlich heißt sie Barbara, aber alle nennen sie Babett. Das Kreuz im Haus der 90 Jahre alten Bauersfrau hat ihr Mann selbst mit der Laubsäge ausgeschnitten – vor etwas mehr als 60 Jahren, an das genaue Jahr kann sich Babett Zeiler nicht erinnern. Früher hingen neben dem Kreuz noch Bilder von Maria und Josef, aber die sind über die Jahre kaputt gegangen. Nicht lange, nachdem er das Kreuz für die Familie geschnitzt hatte, fiel Babett Zeilers Mann im Krieg. Die vierfache Mutter hat ihre Kinder alleine groß gezogen. Den Hof, auf dem sie bis heute lebt, erbte sie von ihren Eltern, denn in der Familie gab es keinen Sohn. Die Zeilers hatten Kühe und Felder, auf denen sie Kartoffeln, Getreide und Pfefferminze anbauten. Heute wird der Hof nicht mehr bewirtschaftet. Das fein ziselierte Kreuz hängt in der Ecke über dem Esstisch, dort wo die Familie früher täglich zusammenkam und gemeinsam betete. Wann der Brauch entstanden ist, eine Ecke im Raum Gott zu widmen, lässt sich nicht sagen. Aber zumindest kennt man den Ursprung des Begriffs: Der österreichische Schriftsteller Peter Rosegger schrieb 1875 zum ersten Mal vom Herrgottswinkel.

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