Zeitung Heute : Nachrichten

Mitarbeit: Okka Rohd

Familie Wahba, Aufhausen

Das Kupferkreuz hing früher im Schlafzimmer der Großmutter in München. Sie hatte sieben Kinder, ihre jüngste Tochter Imelda hat es geerbt und im Wohnzimmer neben dem Kachelofen aufgehängt. Wie alt es ist, weiß keiner mehr, aber den silbernen Rosenkranz mit den rosafarbenen Perlen, der jetzt um das Kreuz hängt, bekam die Großmutter zu ihrer Firmung 1913 geschenkt. Damals ging sie noch ins Mädcheninternat „Heilig Blut“. Den Rosenkranz hatte sie immer zum Beten dabei, wenn sie zur Kirche ging. Die Großmutter war eine fromme Frau. Solange ihre Gesundheit es zuließ, ging sie täglich zur Frühmesse. Ihre Tochter Imelda verbrachte die Kriegsjahre bei Verwandten auf dem Land, in einem Pfarrhof. Wenn die Kinder nicht brav waren, mussten sie vor dem Herrgottswinkel beten. Neben das Kreuz in ihrem eigenen Haus haben die Wahbas Ikonen gehängt, wie man sie in der Ostkirche kennt. An der Wand neben dem Kamin versammeln sich eine polnische Ikone, eine ägyptische und eine Madonna aus Andechs . Ein multikultureller Herrgottswinkel also. Adly Wahba ist auch eigentlich kein Katholik, sondern koptisch-orthodox getauft. Aber welcher Brauch nun zu welcher Konfession gehört, das ist ihm nicht so wichtig. Nach seiner Pensionierung gründete der Physiker zusammen mit drei Theologie-Professoren von der Universität München die Heilige-Athanasius-Stiftung, die ökumenische Forschungsprojekte unterstützt.

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