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Annika ist eigentlich eine Stille. Aber von ihren Kaninchen erzählt sie gerne. Das Haus ihrer Eltern steht in dem Dortmunder Stadtteil Westrich, direkt an einer großen Kleingartenanlage und einem Tennisplatz. Schön ist es hier, grün vor allem. Annikas Kaninchen kriegen frische Kräuter aus dem großen Garten zu fressen: Zitronenmelisse und Lavendel. Der Rest Gemüse kommt in Kisten aus der Gemüseabteilung vom örtlichen Supermarkt, die Möhren vom Pferdehof. Die elf Jung und 28 Alttiere machen reichlich Arbeit und fressen gut was weg.

Mit dem Kaninchen Flitzi, das Annika vor acht Jahren von ihren Eltern geschenkt bekommen hat, fing alles an. Seitdem steht Annika auf die Rasse „Castor Rex“, weil die ein besonders weiches Fell hat, „wie Veloursteppich“, sagt sie, und es stimmt. Der Rammler „Rambo“ und sein Verwandter „Rambo II“ tragen die guten Gene weiter, und so hatte Annika bei einer der letzten Kaninchenschauen großes Glück: Eines ihrer Tiere wurde von der Jury mit 97,5 Punkten bedacht. Das ist sehr viel, denn maximal sind 100 Punkte zu erreichen. Ein Kaninchen mit 100 Punkten aber hat selbst Annika noch nicht gesehen. Über das kleine Preisgeld hat sie sich gefreut, aber wegen ein paar Euro mistet eine Vollblut-Kaninchenzüchterin wie Annika nicht jeden Samstag 30 Kaninchenboxen aus: „Kaninchen“, sagt sie und streichelt einem Jungtier über die plüschigen Löffel, „Kaninchen sind nicht doof. Sie können Treppenstufen hochsteigen und aus dem Stand zu mir ins Bett springen.“ Vielleicht wird Annika später mal Pferdetierärztin, davon träumt sie. In Westfalen gibt es eben fast so viele Pferde wie Kaninchen. Ach ja: Annika ist natürlich Vegetarierin. oom

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