Zeitung Heute : Nachrichten

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— Friedrich Gulda: The First Recordings (Decca)

Gerade mal 17 Jahre war Gulda alt, als er zum ersten Mal das Aufnahmestudio betrat – und konnte schon alles. In ihrer makellosen Bravour machen die Bach, Debussy- und Mozart-Aufnahmen noch immer sprachlos.

— Bononcini: Cantate in Soprano, Radu Marian

(arcana)

Man traut kaum seinen Ohren: Dieser engelreine Sopran soll aus einer rauen Männerkehle kommen? Wer den Rumänen Radu Marian hört, kann sich vorstellen, was die Menschen des 18. Jahrhunderts an den Kastraten fasziniert hat.

— The Bach Pilgrimage Vol 24, Gardiner (Soli Deo Gloria)

Bachs Kantate „Weinen, klagen, sorgen zagen“ ist immer wieder gut, um einem zu zeigen, dass man mit seinem Kummer nicht allein auf dieser Welt ist.

— Giardino: Armonico, La Casa del diavolo (Naive)

An dem entfesselten Drive, mit dem sich das italienische Kammerorchester in „Don Juans Höllenfahrt“ und den Sturm und Drang der Bach-Söhne stürzt, hätte auch der Teufel seine helle Freude.

— Gluck: Paride ed Elena, Paul McCreesh (Archiv Produktion)

Eine Verführung in fünf Akten: Magdalena Kožena und Susan Gritton kosten ihr amouröses Balzritual so hingebungsvoll aus, dass alle beide einem glatt den Kopf verdrehen.

— Beethoven: Cellosonaten, Wispelwey, Lazic

(channel classics)

So frisch und lebendig wie bei Wispelwey und Lazic hat Beethoven lange nicht geklungen. Hier haben sich zwei gefunden, die sich gerne fetzen und noch lieber wieder vertragen.

Dafür ist mir der Platz zu schade. Statt dessen empfehle ich lieber noch eine CD. Die wunderbare Aufnahme der Saint-Saëns-Klaviertrios mit dem Trio Wanderer (harmonia mundi france). Musik, die in romantischer Emphase schwelgen kann, ohne gleich in Seelenabgründe zu stürzen.

— Lux Aeterna, The Gents (channel classics)

Ätherische Stimmen junger Männer träufeln die tröstlichen Harmonien von Duruflés Requiem ins Ohr, dazu perlt eine Orgel als akustischer Zimmerspringbrunnen. Kann es schöneres geben?

— Haydn: Klaviersonaten, Jerome Hantai (ambroisie)

Charmeoffensive am Hammerflügel: Selbst den lakonischen Frühwerken Haydns gewinnt Jerome Hantai auf seinem hinreißend resonanzreichen Instrument wahre Wunder an Esprit, Brillanz und Anmut ab.

— Friedrich Gulda: The Decca Beethoven recordings 1950-58

Sensibel und formbewusst, klassisch streng und dabei von weißglühender Intellektualität – an Guldas legendärem, jetzt klanglich frisch aufpoliertem Zyklus kommt nach wie vor keiner vorbei.

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