Zeitung Heute : Nachrichten

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— Lotte Lehmann: Living Voices (hänssler)

Lieder mit SalonorchesterBegleitung? Lehmanns niemals „jungfräulicher“, alle Himmel stürmender Sopran lässt einen vor jeder noch so gräulichen Geschmacklosigkeit auf die Knie sinken.

— Jonathan Lemalu: Opera Arias (EMI)

28 ist er, und schon meint man aus dem Basalt seines Bass-Baritons den künftigen Wotan herauszuhören: Jonathan Lemalu aus Neuseeland – der derzeit witzigste, gewitzteste Geschichtenerzähler zwischen Mozart und Verdi.

— Friedrich Gulda: The First Recordings (Decca)

Der junge Gulda konnte von Bach bis Prokofieff ganz

einfach alles. Eine Spieler-Natur. Ein begnadeter Rhetoriker. Ein echter Tasten-Belcantist. Wissbegierig, wissend. Ein Jahrhundert-

Talent.

— Sergio Azzolini, Kammerakademie Potsdam: Fagottkonzerte des 20. Jahrhunderts (capriccio)

Keine Angst: Villa-Lobos,

Hindemith, Jolivet und Gubaidulina meinen es nicht zu streng. Großer Klang, grandiose Farben, lustvolle Bauchrednereien.

— Ian Bostridge, Mitsuko Uchida: Schubert, Die schöne Müllerin (EMI)

Künstlicher, manierierter, röntgenologischer wurde Schubert kaum je gesungen und gespielt. Ein Hör-Lehrstück, eine Entschlackungskur – um anschließend doch wieder zu Fritze Wunderlich zu greifen?

— Cikada String Quartet: Saariaho, Cage, Maderna (ECM)

Ein kühner Dreischritt durch die zeitgenössische Streichquartett-Literatur. Sinnlich, rassig, erotisch. Die Interpreten jedenfalls machen ihrem Namen alle Ehre.

— Roger Norrington,

Radio-Sinfonieorchester des SWR: Mendelssohn (hänssler)

Eine regelrecht böse „Italienische“, eine hässliche „Schottische“. Wer verbissen auf einen Sack Stroh eindrischt, darf eben nicht unbedingt

Musik erwarten.

— Philippe Jaroussky:

Vivaldi, virtuoso cantatas (Virgin)

Stress? Schlechte Laune? Alles nur noch blöd? Eine einzige Jubel-Kadenz von Vivaldi - und die Welt glänzt wieder neu und frisch.

— Janine Jansen: Vivaldi, Die vier Jahreszeiten (Decca)

Der Evergreen hat abgespeckt: Rank und schlank kommen diese „Jahreszeiten“ daher – und trotzdem üppig. Die Zeiten aufführungspraktischer Dürre, ha, sind eben endgültig vorbei.

— Pierre Boulez, Wiener Philharmoniker: Mahler Lieder (DG)

Ein kühler Wind weht durch diese Rückert-Lieder (Urmana), und in den Kindertotenliedern spendet die

Erinnerung fast Trost (von

Otter): Mahler sachlich, Mahler modern – und ein ganz klein wenig herzlos.

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