Zeitung Heute : Nachrichten

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— Coldplay: X & Y

(Parlophone/EMI)

„Pflegelotion für den Gehörgang“ (SZ), „lyrischer Seelenkleister“ (taz)? Tatsächlich: ein großer Wurf. Soundkathedralen, errichtet aus Weltschmerz und Wohlklang. Mächtiges Georgel. Seelenpop. Man schwelge oder schweige.

— Jersey (Lok / Morr

Music)

Berlin/Weilheimer Band, deren Mitglieder auch bei Iso 68, Contriva und The Notwist spielen. Beatlesfans! Ihre minimalistisch vor sich hin pluckernde Elektronik weitet sich zu großem hymnischen Pop. Der Nöhlgesang klingt, logisch, lennonesk.

— Tocotronic: Pure Vernunft darf niemals siegen (L’age d’or)

Allein schon, wie Dirk von Lowtzow mit aufgerauhter Stimme „Gegen den Strich“ singt. Dazu das sanfte Dengeln der Hihat-Becken und ein wunderbarer Basslauf. Reifes Album einer Band, die sich neu erfunden hat.

— Maxïmo Park: A Certain Trigger (Warp)

„That’s enough!“, schreit Paul Smith mit hartem Nordenglandakzent. „I had ’nough to hear!“ Jedes Wort ein Aufschrei, jeder Song ein Schlag. Hochgeschwindigkeitsakkorde, Minutenekstasen. Klassischer britischer Bluthochdruckpop.

— Rufus Wainwright: Want Two (Dreamworks)

Die Wiedergeburt des Rock’n’Roll aus dem Geist von Vaudeville und Tin Pan Alley. Singer/Songwriterkunst in Frauenfummeln, aufgetakelt und grell geschminkt. „The One You Love“ ist das beste Radiohead-Stück ohne Radiohead.

— Diverse: Cheatin’ Soul (Trikont/Indigo)

You made me cry without a reason. Südstaatensoul, der mit blechernen Trompeten und seufzenden Chören vom Betrogen-, Geschlagen-, Verlassenwerden erzählt. „Ain’t that the truth?“, fragt Bobby „Blue“ Bland. Die Wahrheit, leider, ist der Schmerz.

— Stars On 45: The Best Of (edel)

1980 begann der holländische Produzent Jaap Eggermont, Hits mit Beats zu unterlegen. 1982 hatte er die gesamte Popgeschichte verwurstet, von den Beatles bis Chic. Sängerinnen befehlen: „You can boogie, move your body“. Das ist Faschismus.

— Frank Witzel, Klaus Walter, Thomas Meinecke: Plattenspieler (Normal)

Musik aus, Ohren auf. Drei Veteranen, 1955 geboren, beim Pop-Gipfelgespräch: Warum Retro-Vokuhilas Relevanz besitzen, wie Leonard Cohen 1972 den Ironie-Fallschirm zog. Übrigens: „Girl“ war die Rückseite von „Michelle“.

— Güterzüge und Gitarren: die Jimmie Rodgers Biografie (Bear Family)

Ein Leben am Rande der Gleise. Jimmie Rodgers arbeitete als „Brakeman“, Bremser, bei der Bahn und schrieb Country-Klassiker wie „Why Should I Be Lonely?“ Wiglaf Droste liest aus seiner Biografie: ein Travelin’ Blues.

— Harmonia: deluxe (Brain/Universal)

Harmonia, ein Elektroniktrio aus Mitgliedern von Cluster, Neu! und Kraftwerk, waren für kurze Zeit die spannendste deutsche Band. Eno und Bowie zählten zu den Fans. Der elegische Krautrock-Klassiker aus dem Jahr 1975 ist nun endlich auf CD erschienen.

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