Zeitung Heute : Nachrichten

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— The Cribs: The New Fellas (V2) VÖ: 20.6.

Eine Platte, die mit einem Schlachtruf anhebt, kann nicht verkehrt sein. Das Brüdertrio aus Leeds spielt den mitreißendsten PowerPop der Saison, getragen von Rumpelbeats, eingängigen Melodien und der Kunst der Selbstbegeisterung.

— Madsen (Universal)

Schreien, bis die Stimme abschmiert. Das tun nur Anfänger. Die Band aus dem Wendland erinnert stark an Tocotronic von früher und an die Sterne, nur härter, breiter, lauter, an der Grenze zum Kollaps, voller Empathie für die Seelendramen, die sie ergründen („Ich bin in Panik“).

— Vic Chesnutt: Ghetto Bells (New West Records)

Das edelste Werk des existenzialistischen Folk-Nörglers. Mit prominenter Unterstützung von Bill Frisell und Van Dyke Parks singt sich der gelähmte Schattenpoet durch „weinende Gärten“ und „rostigen Herbst“. Sanfte Lebenshilfe.

—Alex Gunai: Remakes (Jazzsick Records)

Einsames Gitarrengeheul, blubbernde Beats, zischendes Halbleiterrauschen. Der Jazzgitarrist Gunia ließ Elektro-DJs wie Andi Toma und Rob Acid seine Stücke überarbeiten und jazzmäßig zerpflücken. Eine filigran pulsierende Funk-Rhapsody.

— The Coral: The invisible Invasion (Sony BMG)

Das abstruse Ergebnis einer unstillbaren Doors-Verehrung. Das Sextett von der englischen Westküste durchleuchtet seelische Irrgärten voller Fantasiewesen. Songs wie „Cripple Crown“ sind von spröder Schönheit.

— Div.: Poor Boy – Songs of Nick Drake (Songlines)

Der britische Singer/Songwriter Drake zählt zu den Heiligen des Genres. Mit dieser Hommage werden seine Songs ins Grenzland von Jazz, Blues und freier Improvisation entführt und zerpflückt. Da will man unbedingt die Originale hören.

— Nicole: Alles fließt (Sony BMG)

Die akustische Gitarre reicht nicht mehr. Nun müssen elektronische Hilfstruppen ran, um die ozeanischen Verschmelzungsfantasien der Friedenssängerin zu untermalen.

Und es rauscht, schwappt

und schäumt in der seligen

Nicole-Welt.

— Yann Thiersen: Les

Retrouvailles (Labels)

Musik ist wie ein Kreisel. Der französische Filmkomponist versteht es, Chansonmotive aus ihrer traditionellen Verankerung zu reißen und in endlosen Drehungen um die Sehnsucht trudeln zulassen: ein seliges Einlullen.

—Françoise Cactus:

Autobigophonie (Martin Schmitz Verlag)

Ein Hörspiel, das die Stereo Total-Sängerin aus einem

früheren Versuch gemacht hat, ihr Leben zu erzählen, ohne die Wahrheit zu verraten. Charmant geschilderte Episoden, durchsetzt von minimalistischen Songs.

— Geisterfahrer: 1979-1989 (Onomatopop)

Die Idee: Geräuschkunst mit Synthesizer. Das Debütpublikum – alles Punks – fand’s furchtbar 1979, eine Legende war geboren. Später wurde

die Hamburger Band rockiger, fast Country. Was blieb: eine Poesie des Ofenrohrs. Sehr blechern.

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