Zeitung Heute : Nachrichten

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Dennoch rechnen wir damit, dass bestimmte Branchen des Handwerks in vier bis fünf Jahren händeringend nach qualifiziertem Nachwuchs suchen. Beispielsweise die Bäcker oder die Gebäudereiniger finden nicht genug Lehrlinge, kämpfen mit Imageproblemen. Viele junge Leute wollen nicht um vier Uhr aufstehen oder sich die Hände schmutzig machen.

Wie sieht es in den technischen Branchen aus?

Dort spielt ein anderes Problem eine Rolle: Die jungen Leute sind wegen mangelhafter Vorkenntnisse in Technik, Mathematik und Naturwissenschaften oft nicht geeignet. Das Hauptproblem ist aber, dass viele Betriebe den Aufwand für die Ausbildung von Lehrlingen wegen ihrer geringen Größe nicht stemmen können. Wir versuchen dem entgegenzuwirken, indem sich mehrere Betriebe an der Ausbildung beteiligen. Das ist besser, als sie zu verschulen und erhöht die Chancen der jungen Leute, nach der Lehre tatsächlich einen Job zu finden.

Berlin ist eine Stadt im Wandel. Ergeben sich daraus eventuell neue Chancen und Nischen für das Handwerk?

Das ist einer der Lichtblicke. Vor allem die außerordentlich dichte Ballung von Hochschulen und Forschungsinstituten bietet dem Handwerk neue Betätigungsfelder. Ich denke da beispielsweise an die Weltraumtechnik in Adlershof. Die High-Tech-Produkte für Satelliten werden von Handwerksbetrieben gefertigt, denn die hochqualitative und individuelle Fertigung von Prototypen, Modellen und Kleinserien ist naturgemäß eine Stärke des Handwerks. Berlin zieht auch viele junge und kreative Menschen an. Modernes Design spielt eine große Rolle – in der Mode, bei Möbeln oder Büroausstattungen. Da ergeben sich für Maßschneider, Metallbaufirmen oder holzverarbeitende Betriebe sogar erhebliche Exportmärkte auf der ganzen Welt.

Die Fragen stellte Heiko Schwarzburger.

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