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Die Gerüchte um den kleinen Harry Potter werden schmutziger. Als über Dreharbeiten in Prag spekuliert wurde, sollen die Eltern des Jungen besorgt gewesen sein – wegen all der Sexclubs in Tschechien. Und zuletzt meldete die britische Boulevardzeitung „Daily Mail“, dass der kleine Zauberlehrling im wahren Leben eine „heimliche Affäre“ mit einer Frisörin habe, die sieben Jahre älter sei. Alles Quatsch, sagt seine PR-Managerin, „das stimmt nicht“.

Einerseits zeigen diese Meldungen die Sensationsgier der britischen Boulevardzeitungen. Andererseits stellen Kritiker langsam die Frage, wie lange Daniel Jacob Radcliffe den braven Zauberlehrling Harry Potter noch spielen kann, ohne dessen Image radikal zu verändern?

Radcliffe ist längst 16 Jahre, hat Bartstoppeln, ist 1,73 Meter groß. Dieser Junge, der seit fünf Jahren Harry Potter spielt und am Donnerstag mit dem vierten Film „Feuerkelch“ im Kino startet, hat dem britischen „Mirror“ gerade erst erzählt: „England ist großartig für einen 16-Jährigen!“ Er könne jetzt Sex haben („Yeah!“) und endlich Lotterie spielen. Kurzum: dieser Daniel Jacob Radcliffe ist kein kleines Kind mehr, sondern ein fast normaler Jugendlicher.

Die Geschichte des Harry-Potter-Darstellers begann vor ziemlich genau fünf Jahren in London. Daniel lebte mit seiner Familie im Stadtteil Fulham und besuchte eine reine Jungenschule, die pro Semester mehr als 3500 Euro Gebühr verlangte. Der damals Elfjährige wollte schon lange Schauspieler werden. Er hatte zuvor in einer BBC-Dokumentation über David Copperfield den Zauberer in jungen Jahren gespielt. Später bekam er eine kleine Rolle im Thriller „Der Schneider von Panama“ mit Pierce Brosnan und Jamie Lee Curtis, doch der Auftritt in der Copperfield-Dokumentation war entscheidend. Durch ihn wurde der junge Copperfield-Darsteller zu Harry Potter.

Casting-Agenten suchten viele Monate nach einem Schauspieler für die Rolle des Zauberlehrlings und einigten sich im Sommer 2000 auf Daniel. Regisseur Chris Columbus hatte eines Tages die BBC-Dokumentation in den Videorecorder geschoben und den jungen Copperfield gesehen. Die Augen, die Haare, die Gesten! Columbus rief die Eltern an.

Daniels Vater Alan und Mutter Marcia waren wenig begeistert. Er arbeitete als Literaturagent, sie an einem Theater in London als Casting-Direktorin. Sie kannten den Hype um die Bücher von Harry Potter, sie kannten ihr Geschäft und sie wussten, was auf ihren Jungen zukommen würde.

Eines dürften sie sich jedoch kaum vorgestellt haben: dass ihr Sohne fünf Jahre später über ein geschätztes Privatvermögen von 15 Millionen Euro verfügt. Allein für den aktuellen Film soll er acht Millionen Euro Gage erhalten haben. Daniel Radcliffe kommentiert diese Zahlen auf seine Art. Er habe zu Hause keine Garage, in dem die knallroten Ferraris nur darauf warten, gestartet zu werden, wenn er den Führerschein besitzt. „Ich weiß nicht, wie viel Geld ich habe“, sagt er trotzig. „Und ich muss das auch nicht wissen, weil ich ein Kind bin.“

Ein Kind? Vor den Kinos stehen heute geschminkte Mädchen, die „Ich will ein Kind von dir“ kreischen. Im aktuellen Film ist er in einer Szene angeblich nackt zu sehen ( in Wahrheit trägt er einen hautfarbenen Slip), in einer anderen flirtet er erstmals mit einem Mädchen. Im nächsten Film ist sogar eine Kussszene geplant. Es wäre die erste. Auch Harry Potter werde erwachsen, sagt Radcliffe. Deshalb sei es kein Problem, wenn Harry im Original einen leichten Stimmbruch hat.

Früher hat Radcliffe auf dem Gameboy gespielt, ist mit einer Wasserpistole herumgerannt und hat sich Wrestling und die „Simpsons“ im Fernsehen angeschaut. Heute spricht er lieber über Mädchen. In die Schauspielerin Scarlett Johansson hat er sich mal verliebt, auch in Natalie Portman und in seine Filmpartnerin Emma Watson. „Hermine“, heißt die im Harry-Potter-Film. „Aber das wäre so etwas wie Inzest gewesen“, sagt Radcliff. Auch Hermine ist seit fünf Jahren dabei. Sie war zehn, als sie entdeckt wurde.

Radcliffes Eltern haben aufgepasst, dass ihr Sohn am Set täglich drei Stunden Schulunterricht erhält. Elf Monate dauerten die Dreharbeiten von „Harry Potter und der Feuerkelch“, das ist eine Ewigkeit in Hollywood und normal in England, weil Kinder eben nicht länger als vier Stunden am Tag arbeiten dürfen. Noch heute wohnt Radcliffe in seinem Londoner Elternhaus, das 750000 Euro gekostet hat, wie die schottische Zeitung „The Herald“ schreibt. Nicht weit entfernt spielt Radcliffes Lieblingsverein, der FC Fulham.

Wie lange Radcliffe die Rolle des kleinen Zauberers spielen wird, ist unklar. Im fünften Teil auf jeden Fall, die Dreharbeiten sollen im Frühjahr beginnen. Aber danach? Am Set wird angemerkt, Radcliffe sei schnell dünn und kantig geworden. Er rede zudem nicht mehr wie ein Kind.

Er spricht von Romantik, Liebe und davon, wie dämlich er sich anstelle, eine Frau kennen zu lernen. Da sei er ähnlich überfordert wie Harry Potter, der zwar mit Mädchen flirtet, aber letztlich doch keines geküsst hat. „Ich habe die gleichen Gefühle wie Harry“, sagt Radcliffe. „All die hormonellen Sachen habe ich vor kurzem selbst erlebt.“ Es wird nicht mehr lange dauern, bis sich die Fotografen wie einst bei Prinz Harry auf die Lauer legen, um ihn nach einigen Bieren abzulichten.

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