Zeitung Heute : Nachrichten

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ELTON, 35 / NR. 162

Eigentlich habe ich dem FC St. Pauli meinen Job beim Fernsehen zu verdanken. Ich war von zehn Jahren zu einem Bewerbungsgespräch beim Sender Hamburg Eins geladen. Den Abend vorher ist Pauli aufgestiegen, und ich hatte bis zum Geht-nicht-mehr gefeiert. Ich ging mit Fankluft und einer gewaltigen Bierfahne ins Büro des zuständigen Redakteurs, der sah noch kaputter aus als ich und meinte: „Entschuldigen Sie den Alkoholgestank, mir steckt noch St. Paulis Aufstieg in den Knochen.“ Also dieser Job war mir sicher. Ich hab dann viele Straßenumfragen gemacht, im Stil von Wigald Boning, vor fünf Jahren wurde ich zu Stefan Raab eingeladen, und die haben mich gleich dabehalten. Seitdem bin ich bei Raab in Köln. Ich hatte trotzdem immer eine Dauerkarte am Millerntor, Gegengerade auf Strafraumhöhe. Ich kann zwar selten ins Stadion, aber wenn ich mal in Hamburg bin, will ich nicht um eine Karte betteln müssen. Keine Frage für mich, auch bei der LDK zuzuschlagen. Finanziell geht das ja zum Glück. Ich trage noch alte Shirts, mein liebstes ist das vom Freundschaftsspiel gegen die Glasgow Rangers, ein Pirat und ein Schotte mit Biergläsern in der Hand. Was mich ärgert ist, wenn ich als „Nobelfan“ bezeichnet werde. Das klingt so, als würde ich VIP-Karten schnorren, nur weil ich aus dem Fernsehen bekannt bin. Ich hab schon vergangenes Jahr bei der Rasen-Aktion mitgemacht. Da hat der Verein quadratmeterweise Rasen verkauft, um Geld zu sammeln. Mir hat für ein paar tausend Euro der halbe Strafraum gehört.

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