Zeitung Heute : Nachrichten

-

Ob die vielen neuen Promi-Koch-

Shows im Fernsehen und die unzähligen Ratgeber und Kochbücher, die jedes Jahr publiziert werden, bei den Deutschen tatsächlich die Lust am Kochen steigern, wissen wir nicht. Beim Bundesverband für den gedeckten Tisch, Hausrat und Wohnkultur ist man in dieser Frage allerdings optimistisch. Auf der letzten Konsumgütermesse in Frankfurt, der „Ambiente“, wurde mit Zufriedenheit ein Trend zu mehr Feinmacherei in Sachen Tischkultur konstatiert.

„Früher stand der Tisch schon aus praktischen Erwägungen meist in der Küche oder im Esszimmer“, sagt der Interieurdesigner Gisbert Pöppler, der auch in Sachen Wohndesign berät. Heute steht der Tisch in der Regel im Wohnzimmer oder in der Wohnküche. Größere gesellige Runden lümmeln sich nicht mehr in entspannter Lage auf der Couchgarnitur. Man sitzt stattdessen lieber kultiviert am Tisch. Und der ist mit den Jahren dann auch immer größer geworden und hat sich kontinuierlich zur langen Tafel ausgewachsen.

Für welches Tisch- und Stuhl-Ensemble man sich entscheidet hängt in erster Linie vom Raum und seiner Größe ab. Stühle mit hoher Rückenlehne, die früher die geselligen Tafelrunden vom Personal separieren sollten sind heute fast gänzlich ausgestorben. Auch der runde Tisch ist relativ selten geworden. Eine Tendenz, die Pöppler bedauert, denn bei kleinen, rund geschnittenen Tischen sei es anders als bei langen Tafeln wesentlich leichter, eine gesellige Kommunikation auch während des gemeinsamen Essens in Gang zu halten. Moderne Glas- und Marmortische wirken zwar kälter als traditionelle Holztische, und Geschirr und Gläser können auf ihnen mitunter unangenehme Geräusche verursachen. Andererseits kommen gerade diese Materialien in einem entsprechenden Interieur besonders stilvoll zur Geltung.

Ob man sich bei den Sitzgelegenheiten für altmodische Armlehnstühle oder eher spartanische Klappstuhlmodelle entscheidet, ist einzig von den jeweiligen Vorlieben abhängig. Der Interieurdesigner empfiehlt die klassischen Lehnstühle, die in alten Zeiten gern die Enden langer Tische krönten – allerdings schon deswegen, weil es auf ihnen leichter sei, während eines langen Abends auch mal die Sitzposition zu verändern. Selbst Drehstühle, die man ansonsten eher mit wenig anregender Bürostimmung in Verbindung bringt, hätten unter Umständen ihre Berechtigung. Denn auf einem flexiblen Stuhl sei es für die Gäste einfacher, sich gegenseitig im Blick zu behalten.

Die festlich gedeckte Tafel kommt meist erst dann ins Spiel, wenn man zu Hause auch selbst gekocht hat. Obwohl die Deutschen immer mehr in ihre Küchen investieren und das Kochequipment zunehmend innovativer wird, glaubt Interieurdesigner Pöppler nicht, dass diese Entwicklung auch von einer verstärkten Lust am Kochen begleitet wird. „Es gibt viele, die selbst für zehn Leute noch ein Essen beim Italiener bestellen, zu dem sie dann in feierlicher Runde bei sich zu Hause einladen.“

Bei der Kunst der Tischdekoration empfiehlt der Experte, keine Zurückhaltung walten zu lassen. „Wenn eine Tafel gedeckt wird, dann sollte sie auch richtig gedeckt werden“, so Pöppler. „Dann sollte man ruhig alles an Geschirr und Gläsern aus dem Schrank holen, die Tafel je nach Jahreszeiten mit frischen Blumen schmücken und sich bei der Dekoration vor allem auch von dem inspirieren lassen, was für die einzelnen Menü-Gänge an Speisen vorgesehen ist.“

Geschirr, Besteck und Gläser sollten in Form, Farbe und Material aufeinander abgestimmt sein. Je nach Anlass und Geschmack kann ein elegant-schlichtes, ein verspieltes oder auch mal ein rustikales Service passend sein. Was früher verpönt war, ist heute übrigens erlaubt: Verschiedene Stücke können miteinander kombiniert werden, zum Beispiel um Farbakzente zu setzen – natürlich nur, wenn’s wirklich passt. Dafür bieten sich vor allem Service-Linien mit glatten und einfachen Formen ohne ausgefallene Muster an.

Designer Gisbert Pöppler favorisiert Geschirr, das auch im Alltag benutzt werden kann und bestenfalls waschmaschinentauglich ist. Sehr schön findet er die elegante Linie „Urbino“ von KPM in Berlin. Dieses einzigartige Tafel-Service von 1931, das unübersehbar die Formensprache der Neuen Sachlichkeit trägt, hat die berühmte Bauhaus-Designerin Trude Petri entworfen, die in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre.

Bei den Servietten plädiert Pöppler für Stoff. Sollten die Gastgeber Angst haben, dass der abgetupfte Lippenstift der Damen später aus dem feinen Tuch nicht mehr herauszuwaschen sei, bestehe die Möglichkeit, den Stoff von innen mit Papierservietten auszuschlagen. Auch Namenskarten hält er für eine gute Erfindung. Es sei wichtig, sich zu überlegen, welcher Gast wo sitzen soll. Beim Schmücken der Tafel sollten Kerzenständer und Blumendekorationen so aufgestellt werden, dass sie keine Gespräche stören und niemandem die Sicht verstellen.

So schön Tischdecken auch sind, im Alltag verschwinden sie meist wieder von den Tischen. „Dann werden Tischsets aufgelegt“, sagt Gisbert Pöppler. Diese runden oder quadratischen Untersetzer, die den Tisch sozusagen in kleine Einheiten separieren, feierten in den letzten Jahren ein großes Comeback – es gibt sie heute in fast allen Farben und mit den unterschiedlichsten Aufdrucken. Zur richtigen Alltagsdekoration eines Tisches gehören außerdem Schnittblumen, am besten ausgewählt nach der jeweiligen Saison. Auch die klassische Obstschale kann einen Tisch schmücken und sollte daher keinesfalls vergessen werden.

Nicht zuletzt ist die Frage der richtigen Beleuchtung entscheidend für eine gelungene Tafel. Auch hier gilt, dass eine Deckenleuchte nicht die Sicht nehmen darf. Viele Menschen würden Deckenleuchten vor allem deswegen favorisieren, weil dadurch eine intimere Atmosphäre geschaffen werde und das Tischensemble darüber hinaus auch zentrierter wirke, weiß Gisbert Pöppler. Bei großen geselligen Runden sei es aber schöner und wesentlich stimmungsvoller, nicht den Esstisch selbst, sondern vielmehr den Raum zu beleuchten.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar